Eine Zumutung in Orange

15. September 2008, 10:54
25 Postings

Wiener Arena: Orange und Freundin langweilten sich und das sich bald verdünnende Publikum mit charmefreien Geduldsproben zur Beatbox

Wien - Meiner Seel', war das ein Elend! Elektronische Beats aus dem Armenhaus, knieweiche Disco-Action und möglicherweise eine oder fünf unlustige Zigaretten zu viel. Adrian Orange, jener gerade erst 22-jährige Musikus aus Portland, Oregon, der der Welt eines der wunderbarsten Alben des Vorjahres geschenkt hatte, trat am Freitag erstmals in Österreich auf.

Vorab war bekannt, dass er nur im Duo unterwegs wäre, sich die aberwitzige Intensität seines aktuellen Albums, einem mit 18 Mitstreitern eingespielten Bastard aus Reggae, Rock, Bauern- und Freejazz sowie anderen Zutaten, wohl nicht einstellen würde. Doch das der grundsympathische, konsequent mit orangegefärbtem Haupthaar auftretende Longinus, der als Headliner des Festivals "Festkakao" - veranstaltet vom Wiener Label Fettkakao - derartig abstinken würde, hatte niemand erwartet.

Was Orange im Verein mit seiner Freundin Maria geboten hat, zeitigte wohl in jeder Karaoke-Bar einen Rauswurf mittels Arschtritt in die Weichteile. Milieubedingt oder nicht.

Orange, der bereits acht oder neun Longplayer, darunter Doppel- und Dreifachalben zuzüglich etlichen EPs und Singles veröffentlicht hat, ist auf Platte ein Charmebolzen unter Wunderkindverdacht. Auch wenn ihm der Beck-Vergleich nicht sehr behagt, sind Parallelen zum Folk des Beck Hansen evident. Wie der US-Star pflegt Orange einen Dilettantismus, den sich nur jemand erlauben kann, der ein versteckter Virtuose, ein geheimes Multitalent ist.

Live wäre es angemessen gewesen, dem Publikum etwas von diesem versteckten Genius angedeihen zu lassen. Aber nicht! Orange und Freundin langweilten sich und das sich bald verdünnende Publikum mit charmefreien Geduldsproben zur Beatbox. Fad. Öd. Fuck you und gut Nacht.

Zurzeit ist Orange auf Europatour, am 23. Oktober gastiert er nochmals in Wien, im Rhiz. Dieses mal ohne Maria. Eventuell an der Gitarre, wie er dem Standard mitteilte. Wollen wir's hoffen. (Karl Fluch, DER STANDARD/printausgabe, 15.09.2008)

  • Abgestunken: Adrian Orange in der Arena.

    Abgestunken: Adrian Orange in der Arena.

Share if you care.