Experten sehen viele Unentschlossene

15. September 2008, 10:03
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Meinungsforscher sehen ein knappes Rennen um Platz eins - Haider nimmt der FPÖ Stimmen weg - Wenig Chancen für Fritz Dinkhauser

Wien - Nach wie vor eine hohe Anzahl an unentschlossenen Wählern und ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPÖ und ÖVP sehen die Meinungsforscher zwei Wochen vor der Wahl. Für entscheidender als sonst hält Peter Hajek die TV-Duelle - und zwar auf Grund des kurzen Wahlkampfes. Bei den Grünen vermissen die Experten "den Zug zum Tor", die FPÖ werde zwar zulegen, dürfte aber die Aufstellung Jörg Haiders beim BZÖ spüren: Diese habe sich für das Bündnis bezahlt gemacht dürfte der FPÖ doch Stimmen kosten. Eher geringe Chancen auf einen Einzug in den Nationalrat wird der Liste Fritz Dinkhausers eingeräumt.

Laut Imma Palme vom SPÖ-nahen IFES-Institut gibt es noch immer einen hohen Anteil an Unentschlossenen unter den Wahlberechtigten, auch wenn dieser in den letzten zwei Wochen von etwa 40 auf 35 Prozent gesunken sei. Außerdem seien sehr viele von denjenigen, die sich bereits jetzt zu einer Partei bekennen, noch nicht sehr gefestigt in ihrer Meinung - viele würden noch zwischen zwei Parteien überlegen. Auch Werner Beutelmeyer vom Linzer market-Institut sieht den Unentschlossenen-Anteil derzeit zwischen 35 und 36 Prozent. Tendenziell schätzte er den Prozentsatz der Wähler, die sich bisher noch nicht festlegen konnten, höher ein als bei der Nationalratswahl 2006. Als Grund dafür ortet er die geringe Unterscheidbarkeit der einzelnen Partei-Programme.

Wechselwähleranteil

Peter Hajek (Public Opinion Strageties) geht von einem Wechselwähleranteil von einem Viertel bis zu einem Drittel aus. Dieser sinke immer mehr ab, in den letzten Wochen und Tagen vor der Wahl würden aber einige Wähler zu gewinnen sein. Dieses Mal würden die TV-Diskussionen auf Grund des kurzen Intensivwahlkampfes stärker in den Mittelpunkt rücken - vor allem bei Leuten, die die Kandidaten noch nicht so gut kenne - dies könnte ein leichter Vorteil für SP-Spitzenkandidat Werner Faymann sein. Peter Ulram vom ÖVP-nahen FESSEL/GfK-Insitut beziffert den Anteil der noch Unentschlossenen mit zirka 30 Prozent. Allerdings seien da auch eine Reihe an Nichtwählern dabei, der Wechselwähleranteil werde schlussendlich mit deutlich über einem Viertel sehr hoch sein.

Zurückhaltende Prognosen

Vorsichtig sind die Meinungsforscher nach wie vor mit Prognosen. Laut Beutelmeyer sei vor allem bei den beiden Großparteien SPÖ und ÖVP der Ausgang des Kopf-an-Kopf-Rennens schwierig abzuschätzen. Für Hajek hat die SPÖ "sicher leichte Vorteile gegenüber der ÖVP". "Interessant" sei aber, dass sich die Volkspartei nun auf die "Stärken" des Spitzenkandidaten Wilhelm Molterers besinne und die Slogans "Hält Wort" oder "Gibt Sicherheit" propagiert. Die ÖVP versuche damit, all jene Attribute auszuspielen, die Molterer auch in Umfragen zugesprochen werden.

Laut dem Politologen Peter Filzmaier geht es für SPÖ und ÖVP in erster Linie um Schadensbegrenzung. "Es ist unbestritten, dass beide verlieren werden", sagte er. Die strategische Frage, die sich jetzt stelle, sei lediglich, wer von beiden die höheren Verluste einstecken müsse. Der SPÖ sei es bisher besser gelungen, Stimmen aus dem Pool der möglichen Nichtwähler zurückzuholen. Welche Rolle die Berichterstattung der Kronen-Zeitung in diesem Zusammenhang spiele, sei schwierig einzuschätzen, meinte Filzmaier. Das Blatt sei aber auf jeden Fall ein "zentraler Faktor im Wahlkampf".

"Themenführerschaft der SPÖ"

Ulram attestierte der SPÖ, einen sehr auf Faymann konzentrierten Wahlkampf geführt zu haben. Darüber hinaus versuche die SPÖ mit ihrem Plan, ihr Anti-Teuerungspaket noch vor der Wahl durchs Parlament zu bringen, den bisherigen Vorwürfen, sie hätten Versprechen nicht gehalten, entgegenzusteuern. Bei der ÖVP sei der Wahlkampf erst "in den letzten Tagen" richtig in Schwung gekommen. Außerdem habe man eine Zeitung, "die sich als wahlwerbende Partei präsentiert", sagte Ulram mit Verweis auf die "Krone". Große Erfolge erwartet er für keine der beiden Regierungsparteien: "Es würde mich wundern, wenn eine der beiden über den 30er (Prozentmarke, Anm.) kommen würde." Palme sieht eine "Themenführerschaft der SPÖ", sie habe damit den "Aufholprozess" gegenüber der ÖVP bereits geschafft.

Der FPÖ werden zwar Zugewinne prognostiziert, Hajek glaubt aber nicht daran, dass die Freiheitlichen die 20-Prozent-Marke erreichen werden. Als Grund dafür sieht er etwa die Unterstützung der SPÖ durch die "Kronen Zeitung", die auf Kosten der FPÖ gehen könnte. Beutelmeyer sieht die FPÖ gar "auf dem absteigenden Ast", während das BZÖ in der Wählergunst steige. "Die TV-Auftritte von Jörg Haider haben offenbar mobilisiert", meinte er. Auch Ulram meinte, dass sich "das Aufstellen des Haider" bezahlt gemacht habe. Auch für Palme habe die FPÖ damit "Konkurrenz im eigenen Lager bekommen, die doch spürbar ist".

"Mit Kanten und Profil"

Unterschiedlich sind die Meinungen zum Wahlkampf der Grünen. Während Hajek diesen einen angriffigen, klaren, "mit Kanten und Profil" versehenen Wahlkampf attestiert, meinte Ulram, die Erwartungen der Partei von Alexander Van der Bellen sei durch das Antreten des Liberalen Forums "massiv eingebremst worden". Und Palme vermisst bei den Grünen "den Zug zum Tor".

"Nicht wirklich präsent"

Skeptisch gaben sich die Experten zum Einzug des LIF: Beutelmeyer sagt den Liberalen wie auch der Liste Dinkhauser eine "Zitterpartie" vorher. Letzterer sei außerhalb Tirols "nicht wirklich besonders präsent", so Palme - und auch Hajek meinte, es sehe derzeit so aus, als ob Dinkhauser "die Luft ausgeht". (APA)

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    Wen wählen? Noch gibt es eine hohe Anzahl unentschlossener Wähler.

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