Morales nahm Gespräche mit Opposition wieder auf

15. September 2008, 08:30
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Festnahme von Provinzpräfekten angeordnet - Opposition stellt Straßenblockaden ein

La Paz - Nach tagelangen gewalttätigen Auseinandersetzungen hat der bolivianische Präsident Evo Morales am Sonntag (Ortszeit) wieder Gespräche mit der Opposition aufgenommen. Zugleich ordnete er jedoch die Festnahme von Leopoldo Fernandez, des Präfekten des Departements Pando, einer der prominentesten Vertreter dieser Opposition, an. Fernandez müsse zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt werden, forderte Morales weiter.

Fernandez trage die Schuld an einem "Massaker" am Donnerstag in Pando, bei dem von ihm gedungene Mörder aus Peru und Brasilien Dutzende Anhänger der Regierung umgebracht hätten, sagte Vize-Präsident Alvaro Garcia Linera. Nach inoffiziellen Angaben soll es mindestens 25 Tote gegeben haben. Präsidialamtsminister Juan Ramon Quintana korrigierte am Sonntag aber ursprüngliche Angaben, dass Fernandez bereits festgenommen worden sei.

Krisengipfel in Chile

Die Gouverneure der Provinzen Tarija, Santa Cruz, Beni, Pando und Chuquisaca einigen sich am Sonntag darauf, Gespräche mit der Regierung aufzunehmen. Im Falle weiterer Todesfälle oder Verletzter werde aber jegliche Möglichkeit für einen Dialog zunichtegemacht, sagte der Gouverneur von Tarija, Mario Cossio. Er traf am Sonntag mit Morales zusammen. Über Ergebnisse des Gesprächs wurde vorerst nichts bekannt. Am Montag wollte der Staatenbund Unasur in Chile bei einem Krisengipfel über die Lage in Bolivien beraten. Morales sagte inzwischen seine Teilnahme zu.

Am Freitag hatte Morales den Ausnahmezustand über Pando verhängt und das Militär brachte die Provinzhauptstadt Cobija wieder unter seine Kontrolle. Die befürchteten Schießereien mit bewaffneten Oppositionellen seien ausgeblieben, berichteten nationale Medien. Die Opposition warf der Regierung unterdessen vor, sie wolle die Gewalt in Pando einseitig Fernandez anhängen. Der oppositionelle frühere Präsident Jorge Quiroga forderte eine internationale Untersuchung der Ereignisse in Pando. Die nationale Medienvereinigung beklagte, das Militär habe Journalisten am Betreten von Cobija gehindert.

Vorwürfe gegen Regierung

Pando gehört wie Beni, Tarija, Santa Cruz und Chuquisaca zu den fünf von der Opposition dominierten Regionen des Landes. Fernandez warf der Regierung vor, die Gewalt provoziert zu haben. Unterdessen ordnete der starke Mann der Opposition, der Chef des oppositionellen Bürgerkomitees in der wohlhabenden Region Santa Cruz, Branko Marinkovic, die Aussetzung der Straßenblockaden in allen aufständischen Regionen an. Dies sei ein Zeichen des guten Willens und der Bereitschaft zur Aussöhnung, sagte er. Die Gegner des Präsidenten fordern die Überlassung von 30 Prozent der Steuern aus der Erdgas- und Erdölförderung, mit denen der Zentralstaat bisher eine Rente finanziert.

Morales stößt mit seinem Projekt eines ethnisch gefärbten Sozialismus zugunsten der seit Jahrhunderten benachteiligten Indio-Bevölkerung auf den erbitterten Widerstand wohlhabenderer Regionen im Osten und Süden des Landes, wo vor allem Nachfahren europäischer Einwanderer leben. (APA/dpa/AFP)

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