Ohren zu und durch

14. September 2008, 20:35
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Wer als Politiker am Treppchen stehen will, muss fescher, frecher, glaubwürdiger sein. Er stellt...

...sich hin und plaudert ernsten Gesichts mit den Betroffenen über genau die Probleme, die er und seines Parteigleichen rund eineinhalb Jahrzehnte ignorierten, verböserten oder schufen. Und sie kommen und diskurieren und glauben. Beispielsweise an den "Sportdialog" mit Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka.

Wahlkampfzeit ist Wahrhaftigkeitszeit. Bürgerverträge werden geschlossen, die Teuerung wird mannhaft bekämpft und Österreichs Sportstruktur optimiert. Ernsthafte Menschen versammeln sich, um ihre Sorgen zu besprechen, Politiker versprechen Lösungen. Sobald sie das Gefühl haben, die Besorgten glauben ihnen, war's das dann auch schon.

Und Politiker müssen ihren Worten keine Taten mehr folgen lassen. "Tue Gutes, indem du darüber sprichst", schreibt Peter Moeschl im Wespennest ("Ende des Kapitalismus"). Das Reden ist schon die politische Handlung. Siehe Josef Pröll und Umweltschutz, Wilhelm Molterer und Steuergerechtigkeit. Und Werner "Beinhart" Faymann ("Sozial. Entschlossen. Verlässlich") gibt dem geschassten ÖBB-Chef Martin Huber eine schwere Abfindung mit.

Traurig? Wenn diesmal die Sportförderung nicht zentralisiert wird, keine Trainerjobs geschaffen werden, die (schulische) Bewegungserziehung nicht ausgebaut wird, bleibt immer noch die Chance auf die nächste Gesprächsrunde mit "der Politik". Bis dahin: Aufstehen, reden lassen, selber üben, üben, üben.(Johann Skocek; DER STANDARD Printausgabe 15. September 2008)

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