Jagdverbot: Seeadler als Feindbild

14. September 2008, 20:40
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Indizien für den Abschuss zweier Seeadler waren erdrückend - Trozdem wurde der Schütze freigesprochen - WWF und BirdLife sehen falsches Signal

Wien/Korneuburg - Die Indizien für den Abschuss zweier Seeadler waren erdrückend. Am 30. Dezember 2007 erstattete ein Augenzeuge Anzeige gegen einen Mann, der einen riesigen Vogel geschossen hatte. Die Polizei forschte den Schützen aus und sicherte Blutproben in dessen Auto. Diese stammten von einem Seeadler. Eine weitere Blutprobe aus dem Kofferraum stammte mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls von einem Artgenossen. Trotzdem wurde der mutmaßliche Schütze bei der Verhandlung am 22. August 2008 am Landesgericht Korneuburg im Zweifel freigesprochen.

Tiere ganzjährig schonen

"Das heißt nicht, dass Seeadler jetzt straffrei abgeschossen werden können - die Tiere sind laut Jagdgesetz ganzjährig zu schonen", erklärt Bernhard Kohler, Leiter des WWF-Seeadlerprojekts. Er hatte aber gehofft, dass der Täter wegen "anderer Gefährdungen des Tier- und Pflanzenbestandes" (§182 StGB) verurteilt werden würde. Das hätte ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine sehr hohe Geldstrafe eingebracht.

Brutvogel

"Die Richterin wollte eine konkrete Gefährung im Sinne des §182 nur anerkennen, wenn es mit Sicherheit ein österreichischer Brutvogel war. Sie ist sehr vorsichtig vorgegangen - der Paragraf wurde in Österreich noch nie angewendet. Es wäre also ein Präzedenzfall gewesen, der vielleicht auch andere Fälle ins Rollen gebracht hätte", sagt Kohler. Gabor Wichmann von BirdLife Österreich befürchtet, "dass der Freispruch das falsche Signal für all jene ist, die meinen, sich über Naturschutzgesetze einfach hinwegsetzen zu können".

Verstoß gegen Jagdgesetz

So musste sich der Schütze auf der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach nur für den Verstoß gegen das Jagdgesetz verantworten. "Die Höchststrafe liegt in diesem Fall bei 7000 Euro", erklärt Bezirkshauptmann Gerhard Schütt. Nähere Auskünfte durfte er aufgrund der Amtsverschwiegenheitspflicht nicht erteilen. Gegen das Urteil legte der Verdächtige beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) Niederösterreich Berufung ein. Es sei allerdings aufgrund der großen Aktenlast erst in einigen Monaten mit einer Entscheidung zu rechnen, sagt Wilhelm Becksteiner, Vorsitzender des UVS auf Nachfrage des Standard.

Giftköder

Weitere Abschüsse von Seeadlern wurden in den vergangenen Jahren in Österreich nicht bekannt. Pro Jahr fällt allerdings durchschnittlich ein Tier einem Giftköder zum Opfer. Dem WWF war es gelungen, Österreich für sechs Brutpaare und etwa 120 Wintergäste attraktiv zu machen.

Einzelne Jäger scheinen Seeadler aber immer noch als Konkurrenz zu betrachten. Kohler: "Wir sind überzeugt, dass der Jäger ein Exempel statuieren wollte. Er wollte die Artgenossen der toten Seeadler verängstigen und vertreiben." (Bernadette Keusch/ DER STANDARD Printausgabe 15.9.2008)

 

 

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    Die Seeadler werden in Österreich allmählich wieder heimisch. Ob die Abschüsse zweier Tiere den Bestand ernsthaft gefährden, konnte in einem Gerichtsverfahren nicht eindeutig geklärt werden

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