"Auf dem Billardtisch gewickelt"

14. September 2008, 20:21
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Jasmin Ouschan, Poolbillard-Spielerin aus Kärn­ten, misst sich bei Turnieren oft als einzige Frau mit Männern. Nach WM-Bronze im 14/1 geht sie Ende September auf ihren ersten Titel los.

Wien / New York - Wien ist freilich nicht, zum Beispiel, New York oder Las Vegas. Man darf sich etwa nicht einbilden, dass man als kleine Berühmtheit in der einen Stadt auch in der anderen Stadt gleich erkannt wird. Jasmin Ouschan ist sich dessen bewusst. Nur eben anders, als man vermutet. Die 22-jährige Kärntnerin kann unbemerkt auf der Mariahilfer Straße shoppen. In New York sieht das anders aus. "Am Busbahnhof in New York", erzählt sie, "sollten ich und mein Manager von einem Bekannten abgeholt werden. Während wir also mit unserem Gepäck warteten, ging eine Gruppe junger Männer an uns vorbei. Einer blieb kurz stehen, gratulierte mir zu meiner Bronzemedaille und ging weiter." Ähnliches passierte in Las Vegas, da war sie auf einem großen Plakat für ein Billardturnier abgebildet.

Nicht erst seit ihrem dritten Platz Ende August bei der offenen WM in der Poolbillard-Disziplin "14/1" in East Brunswick nahe New York ist Jasmin Ouschan ein bekanntes Gesicht. Vor allem in den USA und in Asien, wo der Billardsport boomt. Mit ein paar Ausnahmen wie der nach Amerika ausgewanderten Österreicherin Gerda Hofstätter (37) ist sie auch oft die einzige Dame, die sich mit der Herren-Weltspitze misst. Und das erfolgreich. Seit ein paar Jahren lukriert sie genug Preisgelder und Sponsoren, um von ihrem Sport leben zu können. 2006 verdiente sie mehr als 36.000 Dollar rein an Preisgeldern, heuer sind es bisher knapp 20.000.

Stundenlanges Training

Davon, dass ihr der Erfolg in die Wiege gelegt wurde, davon hält Jasmin Ouschan nichts. Schließlich übt sie täglich bis zu drei Stunden mit Queue und Bällen. Und wenn der Spielstock ins Eck gestellt wird, kommen noch zwei bis drei Stunden Fitness- und Mentaltraining dazu. Dass ihr Vater Albin siebenfacher Billard-Staatsmeister ist und sie selbst im Gasthaus ihrer Eltern bereits im Alter von drei Jahren mit dem Spiel angefangen hat, verschweigt sie aber auch nicht. "Ich bin quasi auf dem Billardtisch gewickelt worden", erzählt die 22-jährige Klagenfurterin.

Mit sechs Jahren lernte sie ihren Trainer Michael Neumann kennen, der sie auch heute noch begleitet. 15 bis 20 Turniere bestreitet sie pro Jahr, rund 250 Tage ist sie in der ganzen Welt unterwegs.

Da gibt es dann auch interessante Geschichten zu erzählen. Etwa bei der diesjährigen Herren-WM im 8-Ball in Dubai, wo sie den 17. Platz belegte. "Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass Frauen immer hinter den Männern durch eine Tür gehen und grundsätzlich nur die Männer begrüßt werden", erzählte sie über die Gepflogenheiten im arabischen Emirat.

Wenn man mit Jasmin Ouschan über Billard spricht, legt sie Wert darauf, über Sport zu sprechen. Dem Klischee der im verrauchten und alkoholgetränkten Bar-Milieu angesiedelten Freizeitunterhaltung kann sie nichts abgewinnen. "Ohne höchste Konzentration, mentale Stärke und Kondition geht da gar nichts", sagt sie. Bei der Disziplin 14/1 (14 und 1 endlos) gehen Spiele schon einmal über vier Stunden. Ziel ist es, alle 15 aufgelegten farbigen Bälle so zu versenken, dass mit dem letzten verbliebenen das neu aufgebaute "Rack" so angeschlagen wird, dass man gleich wieder den ersten Ball des neuen Racks einlochen kann. Schafft man es nicht, wechselt quasi der Aufschlag zum Gegner. Ouschan schaffte vor zwei Jahren 127 Bälle in Serie - klarer Weltrekord bei den Damen.

Premiere in Manila

Am Wochenende war Ouschan noch bei einem Damenturnier in Durham (North Carolina) im Einsatz. Im Endspiel deklassierte sie US-Superstar Jeannette "Black Widow" Lee mit 7:1. Zuvor hatte Ouschan bereits "Texas Tornado" Vivian Villareal mit 7:1, die chinesische Ex-Weltmeisterin Pan Xiao-Ting mit 9:7 und im Achtelfinale die Weltranglistenerste Kelly Fisher aus England mit 9:4 ausgeschaltet.

Die nächsten Tage will sie bei Familie und Freunden in Kärnten verbringen, ehe es Ende September nach Manila geht. Die Hauptstadt der Philippinen ist Gastgeber der WM-Premiere im 10-Ball, einer relativ neuen Disziplin. Ouschan konnte sich als einzige Dame qualifizieren, das allein könnte schon als Erfolg gewertet werden. Doch die mehrfache Damen-Europameisterin will mehr: eine Goldene auch bei den Herren. Auf das unerkannte Shoppen in der Mariahilfer Straße wird aber selbst ein WM-Titel keine Auswirkungen haben. (David Krutzler; DER STANDARD Printausgabe 15. September 2008)

Vom weißen Ball und farbigen Bällen

Poolbillard ist die populärste der 35 Billard-Spielarten. Es wird mit einem (weißen) Spielball und einer unterschiedlichen Anzahl an (farbigen) Objektbällen gespielt. Ziel des Spiels ist es, Objektbälle einzulochen. Nur der Spielball darf direkt mit dem Schlagstock (Queue) gestoßen werden. Die wichtigsten Disziplinen sind:

  • 8-Ball Die schwarze 8 darf versenkt werden, wenn zuvor alle sieben farbigen oder gestreiften Kugeln eingelocht wurden. Sehr populär bei Hobbysportlern.
  • 9-Ball Bei jedem Stoß muss die Kugel mit der niedrigsten Zahl zuerst angespielt werden.
  • 10-Ball Analog zu 9-Ball, aber mit strengeren Regeln.
  • 14 und 1 endlos
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    "Ohne höchste Konzentration, mentale Stärke und Kondition geht gar nichts", sagt Ouschan, die täglich bis zu drei Stunden am Billardtisch trainiert. Andere Übungen gibt es natürlich auch noch.

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    Auch in Durnham war Jasmin Ouschan nicht zu besiegen.

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