Reif für Analyse

14. September 2008, 19:46
2 Postings

In der von HBO produzierten US-Version "In Treatment" öffnet Gabriel Byrne in schöner Regelmäßigkeit seine Praxis zur "talking cure"

 
Das Setting ist denkbar reduziert: ein Raum, zwei Menschen. Einer redet hauptsächlich, der andere hört vor allem zu. Nach 25 Minuten ist ihre gemeinsame Zeit um, der oder die eine verlässt den Raum durch die Hintertür, der andere bleibt immer da und wartet auf den nächsten Patienten.

Das jüngste US-Erfolgsserien-Konzept stammt ursprünglich aus Israel: Seit 2005 hielt Assi Dayan in der Rolle eines Therapeuten in Betipul Sitzungen ab. In der nun von HBO produzierten US-Version In Treatment (ab Montag, 22.40, Premiere) öffnet Gabriel Byrne in schöner Regelmäßigkeit seine Praxis zur "talking cure".

Es kommen unter anderem: eine junge, völlig aufgelöste Frau mit Beziehungsproblemen, ein Militärpilot, der eine Koranschule bombardiert hat, in der sich noch Kinder befanden, eine junge Leichtathletin, der mütterliche Unterstützung fehlt, oder ein Paar, das sich durch eine Schwangerschaft überfordert fühlt. Und auch wenn man sich für ihre Probleme - die sich zwangsläufig in Form von Monologen manifestieren - nicht immer interessiert, so ist doch faszinierend, wie gut die Grundidee funktioniert.

Die Serie, die der gebürtige Kolumbianer Rodrigo Garcia als Co-Produzent (neben etwa Hollywood-Star Mark Wahlberg), Autor und Regisseur betreut, setzt auf eine eher ruhige Montage. Die Situation wird klassisch in Einzel- und Zweieraufnahmen aufgelöst, leichte Verschiebungen von Perspektiven und Abstand sorgen auf der visuellen Ebene für anhaltende Dynamik - auf den Einsatz von Off-Musik wird beispielsweise fast gänzlich verzichtet.

Diverse Sitzungen, einen Fall von Übertragung und etliche Verbalinjurien später ist dann übrigens auch der Therapeut reif für Analyse. Und zu beobachten, dass er sich gegenüber seiner Supervisorin (Dianne Wiest) mindestens genau so windet wie seine eigenen Patienten und noch mehr zu tricksen versucht als diese, dass aber auch der Profi manchmal Hilfe braucht - das ist wahrscheinlich ein weiterer Grund dafür, weshalb man sich dieser Behandlung gerne unterziehen mag. (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 15.9.2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gabriel Byrne.

Share if you care.