Verseuchtes Milchpulver in China: Die Schattenseite des Booms

14. September 2008, 18:50
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Die gleiche Chemikalie war bereits 2007 aufgetaucht - in chinesischem Tierfutter, das an die USA verkauft worden war - Von Roman David-Freihsl

Die Propaganda-Offensive zur angeblichen Sicherheit chinesischer Produkte ist gehörig ins Stocken geraten. Dass beim größten chinesischen Produzenten von Babynahrung tausende Tonnen von Milchpulver mit der Chemikalie Melamin verseucht wurden, sei ein „ernster Vorfall für Chinas Nahrungsmittelsicherheit", musste nun sogar Chinas Gesundheitsminister Gao Qiang zugeben. Dabei war die gleiche Chemikalie bereits 2007 aufgetaucht - in chinesischem Tierfutter, das an die USA verkauft worden war, was tausenden Hunden und Katzen das Leben kostete.


Derartige Skandale sind die Kehrseite des chinesischen Wirtschaftsbooms. Das rasante Wachstum wird allzu oft unter massiver Ausbeutung von Umwelt, Gesundheit und Arbeitskräften erkauft. Belege dafür gibt es etwa im Bereich der Textilwirtschaft oder bei Kinderspielzeug, von dem EU-weit rund 80 Prozent in China produziert werden. Ende 2007 musste der US-Spielwarenhersteller Mattel Millionen Artikel (Stichwort „Barbie-Puppen") rückholen, weil diese blei-haltige Farben oder gefährliche Magnete enthielten.


Wobei Profitgier und Korruption auch in China selbst immer mehr Probleme bereiten. Oft wird schlicht vertuscht. Ein Lehrer, der nach dem Erdbeben in Sichuan Fotos von eingestürzten Schulen mit Baumängeln veröffentlichte, kam im Juli wegen „Unruhestiftung" in ein Erziehungslager. Wie sehr die Verantwortlichen unter Druck geraten, zeigt aber, dass es langsam auch politische Konsequenzen gibt. Nach dem Erdrutsch in der Provinz Shanxi, der von einer illegalen Mine ausgelöst worden war, musste nun der Gouverneur Mang Xuenong zurücktreten.(Roman David-Freihsl/ DER STANDARD Printausgabe 15.9.2008)

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