Nur noch drei Bieter für die AUA

15. September 2008, 17:40
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Lufthansa, Air France/KLM und die russische S7 sind im Rennen um die AUA übrig geblieben. Die Kapitalerhöhung der AUA stieß erwartungsgemäß auf wenig Resonanz

Die British Airways sind nicht mehr im Rennen um die AUA. Laut Insidern hat der Verkäufer, die Staatsholding ÖIAG, die Lufthansa, Air France/KLM und die sibirische S7 auf die sogenannte "Shortlist" gesetzt. Der Verkauf soll bis 28. Oktober, einen Monat nach den Nationalratswahlen, abgeschlossen sein.

Weiterhin turbulent verläuft die Sanierung der Alitalia. Die Piloten lassen die Muskeln spielen, weitere Verhandlungen mit der Konzernspitze sind geplant. Die Gewerkschaft legt sich gegen die Sanierungspläne quer.

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Wien - Am Freitag erst wurden die verbindlichen Angebote für die finanziell angeschlagene AUA abgegeben. Heute, Dienstag, entscheidet die Investmentbank der ÖIAG, Merrill Lynch, wer in die nächste Runde zugelassen wird. Dem Vernehmen nach steht bereits fest, dass es drei Airlines auf die Shortlist geschafft haben: Lufthansa, Air France/KLM und die russische S7.

Der Druck der ÖIAG ist enorm. Bis 28. Oktober, exakt einen Monat nach der Wahl, soll der Verkauf perfekt sein. So lange läuft die aktuelle Legislaturperiode. Und nur mehr so lange gilt auch der Privatisierungsauftrag. Da sich bisher keine nennenswerten österreichischen AUA-Käufer auftaten, wird wohl die ÖIAG weiter eine Sperrminorität halten müssen.

Offiziell wird die AUA heute am späten Nachmittag das Ergebnis der Kapitalerhöhung bekannt geben, die ursprünglich für den Einstieg von Scheich Mohamed Al Jaber gedacht war. Fix ist, dass Al Jaber keine Aktien gezeichnet hat. Einige wenige Papiere wurden von privaten Anlegern gekauft, alles in allem nicht signifikant, heißt es aus Bankkreisen. Ohne die Anlageempfehlung 'hold' zu ändern, erhöhte die UniCredit das Kursziel der AUA von 4,20 auf 7,10 Euro. Zu diesem Kurs hätte auch Al Jaber die Aktien kaufen sollen.

Weniger Passagiere

Die traditionell gut ausgelasteten Ferienmonate Juli und August brachten der AUA heuer jedenfalls Passagierrückgänge. Nach minus 3,8 Prozent im Juli, beförderte die AUA im August mit 719.400 um 3,5 Prozent weniger Gäste. Erstmals kam es auch in der Osteuropa-Region zu einem Passagierrückgang. Wurden im Juli die Verringerung der Kapazitäten als Grund genannt, so war es im August die Konjunkturschwäche. Zum Vergleich: Der Flughafen Wien fertigte im August um 4,2 Prozent mehr Passagiere ab. Für das Gesamtjahr erwartet der Airport ein Plus von acht Prozent.

Die Lufthansa ist derzeit europaweit auf Einkaufstour. Am Montag wurde offiziell bestätigt, dass die Deutschen um 65 Mio. Euro einen 45-Prozent-Anteil an der belgischen SN Brussels übernehmen. Bis 2011 besteht die Option SN Brussels komplett zu übernehmen. Brussels Airlines soll eine eigenständige Gesellschaft unter den Fittichen des Lufthansa-Konzerns bleiben. Die Fluglinie beförderte mit rund 3000 Beschäftigten im Vorjahr 5,8 Mio. Passagiere. Vom Drehkreuz Brüssel aus werden vor allem Strecken innerhalb Europas und nach Afrika bedient. Die Airline ging aus der staatlichen Airline Sabena hervor, die 2001 Konkurs anmeldete, und fusionierte später mit dem früheren Billigflieger Virgin Express.

Norwegens Regierung hat indessen ihren Widerstand gegen einen Verkauf der angeschlagenen Fluggesellschaft SAS aufgegeben. Am Wochenende wurden Verkaufsgespräche mit der Lufthansa bekannt. Das Star-Alliance-Mitglied SAS wird als halbstaatliches Unternehmen gemeinsam in Dänemark, Norwegen und Schweden betrieben. Die SAS-Führung peilt - wie die ÖIAG bei der AUA - "eine strategische Lösung" an. Im Halbjahr wurde wegen hoher Treibstoffpreise und Überkapazitäten ein Verlust von 43 Mio. Euro eingeflogen. Zu einem schon laufenden Sparprogramm mit 2000 Stellenstreichungen will SAS bis Jahresende 500 Arbeitsplätze abbauen und 18 Flugzeuge stilllegen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe,16.9.2008)

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