Frankreich-Besuch: Der Papst punktet

14. September 2008, 18:01
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In den drei Tagen in Paris und Lourdes hat Benedikt XVI. viel Boden gutgemacht - von Stefan Brändle

Zumindest aus französischer Sicht war Benedikt XVI. 2005 sehr schlecht gestartet: Man betonte die Mitgliedschaft Joseph Ratzingers in der Hitlerjugend, und in den Vorstädten entrüstete man sich über die Worte des Papstes zu Gewalt und Islam. Noch jetzt, als der deutsche Papst vor seinem Pariser Besuch die französische Kultur in den Himmel lobte, meinte selbst der konservative Figaro sehr kühl: "Die Bewunderung ist nicht gegenseitig."

In den drei Tagen in Paris und Lourdes hat Benedikt XVI. aber viel Boden gutgemacht. Die Franzosen erwarteten einen spröden Intellektuellen im Schatten seines in Frankreich sehr beliebten Vorgängers Johannes Paul II. - und wurden positiv überrascht. Der Papst gab sich undeutsch bescheiden und befleißigte sich einer einfachen, herzlichen Sprache. Bei zwei Freiluftmessen sprang der Funke über.

Geschickt entzog sich Benedikt auch der Polemik um den französischen Laizismus. Man kann es einem Papst nicht verübeln, wenn er der Religion einen öffentlichen Platz einräumen will. Heftig schießen sich die Laizisten hingegen auf Nicolas Sarkozy ein, der die gleiche Forderung erhebt, obwohl er als Staatschef eigentlich die laizistische Verfassung seines Landes hochhalten sollte. Der Papst zog sich dem gegenüber aus dem Schussfeld.

Benedikts Kommunikationsstrategie ist voll aufgegangen. Wie immer man zum Vatikan und den konservativen Thesen seines Oberhauptes steht (denn diesbezüglich machte Benedikt keinerlei inhaltliche Abstriche): Dieser Papst ist nicht zu unterschätzen. Wer nach seinem großen Vorgänger mit einem Interregnum gerechnet hatte, dürfte sich gründlich getäuscht haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.9.2008)

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