Als zwei wie am Schnürchen fuhren

14. September 2008, 15:29
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Sebastian Vettel sorgte für eine der größeren Sensationen, die die Formel 1 je geliefert hat. Der 21-jährige Deutsche im Außenseiter nam­ens Toro Rosso kürte sich in Monza zum bisher jüngsten GP-Sieger.

Monza - "Mir fehlt noch jede Menge zu einem Topfahrer." Also sprach Sebastian Vettel, nachdem er am Samstag im Regen von Monza als jüngster Fahrer der bisherigen Formel-1-Geschichte auf die Pole-Position gerast war. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte Vettel am Sonntag nach dem Grand Prix von Italien und setzte nach: "Ein unglaublicher Tag, wahrscheinlich der schönste in meinem Leben. Das werde ich nie vergessen. Dafür möchte ich allen danken, die mir geholfen haben."

Vettel hatte den 22. GP seines Lebens eindrucksvoll zum ersten Sieg genützt. Des Regens wegen war das Rennen hinter dem Safety Car gestartet worden. Vettel blieb cool, verteidigte die Pole-Position souverän. "Ein problemloses Rennen", sollte er nachher sagen. "Das Auto lief wie am Schnürchen. Es war zwar viel Wasser, aber als Führender hatte ich ja gute Sicht." Als Erster zu fahren, war nicht nur für Vettel ein neues Erlebnis, sondern auch für den Toro Rosso, quasi das Zweitauto des Red-Bull-Chefs Dietmar Mateschitz. Das italienische Team aus Faenza, vormals der ewige Hinterbänkler Minardi, wurde vor drei Jahren von Red Bull übernommen. Mitbesitzer ist Gerhard Berger. Teamchef Franz Tost ist ebenfalls Tiroler. Im Gegensatz zu Red Bull Racing, das auf Renault-Motoren setzt, wird der Toro Rosso von einer Ferrari-Maschine getrieben. Die ist naturgemäß sehr stark, doch im Regen spielen andere Komponenten eine größere Rolle, vor allem spielt sie der Fahrer.

Rekord, Rekord, Rekord

Im Ziel hatte Vettel mehr als zwölf Sekunden Vorsprung auf den Finnen Heikki Kovalainen im McLaren-Mercedes, der Pole Robert Kubica im BMW-Sauber lag als Dritter bereits mehr als 20 Sekunden zurück. Der Heppenheimer Vettel war am Sonntag 21 Jahre und 73 Tage alt, damit löste er den zweifachen Weltmeister Fernando Alonso als jüngsten GP-Sieger ab. Der Spanier zählte 22 Jahre und 26 Tage, als er 2003 den GP von Ungarn gewann. Schon 2007 fixierte Vettel einen ähnlich gearteten Rekord. Beim GP der USA in Indianapolis fuhr er mit einem BMW-Sauber als jüngster Pilot in die Punkteränge, wurde Achter.

In der WM-Wertung liegt Vettel mit 23 Punkten an neunter Stelle. In den Kampf um den Titel wird er vier Rennen vor WM-Schluss nicht mehr eingreifen. Den schnapsen sich wohl der Brite Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes und der Brasilianer Felipe Massa im Ferrari aus. Hamilton, in Monza Siebenter, führt mit 78 Punkten nur noch um einen Zähler Vorsprung vor Massa, der Sechster wurde.

"Das ist das Beste, das ich seit 20 Jahren in Monza erlebt habe", frohlockte Gerhard Berger, der anno 1988 im Ferrari den GP von Italien gewonnen hatte. "Damals war es gut, aber heute war es toll. Da war kein Glück und kein Zufall dabei. Es war einfach eine superstarke Leistung von Team und Fahrer. Er ist schon ganz ausgeschlafen. So wie er die Sache angeht, wird er auch Weltmeisterschaften gewinnen." Zunächst aber nicht für Toro Rosso. In der nächsten Saison fährt Vettel für den Verwandten, für Red Bull Racing.

Der nächste WM-Lauf findet am 28. September statt, und es gibt eine doppelte Premiere. Erster GP in Singapur, erstes Flutlichtrennen in der Formel 1. Dank Zeitverschiebung wird es in Mitteleuropa dennoch wie gewohnt um 14 Uhr gestartet. (bez, APA; DER STANDARD Printausgabe 15. September 2008)

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    Sebastian Vettel (Toro Rosso) triumphiert im Ferrari-Land.

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    Das freut natürlich auch Teamchef Gerhard Berger.

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