Berichte über Gefechte in Aschchabad bestätigt

15. September 2008, 14:15
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Angeblich zwanzig Polizisten getötet

Moskau/Aschchabad - In Turkmenistan haben sich militante Islamisten und Sicherheitskräfte unbestätigten Berichten zufolge heftige Kämpfe mit mindestens 20 Toten geliefert. Das turkmenische Außenministerium bestätigte nach Angaben der russischen Agentur Interfax am Sonntag, dass es am Vortrag in der Hauptstadt Aschchabad zu Schusswechseln gekommen sei. Der Einsatz habe sich jedoch gegen eine Bande von Drogenschmugglern gerichtet, teilte die Regierung mit. Die Kriminellen seien "unschädlich" gemacht worden. In der islamisch geprägten Republik Turkmenistan in Zentralasien gibt es keine freie und unabhängige Berichterstattung.

Die turkmenische Opposition berichtete auf der Internetseite Gundogar, bei dem Kampfeinsatz der Sicherheitsbehörden seien rund 20 Polizisten getötet worden. Der Journalist der russischen Zeitung "Wremja Nowostej", Arkadi Dubnow, sagte dem Radiosender Echo Moskwy, die Terroristen hätten einen Betrieb für die Abfüllung von Trinkwasser besetzt. Dabei handele es sich vermutlich um radikale Wahhabiten, einer streng konservativen Ausrichtung des sunnitischen Islams. Mitarbeiter der turkmenischen Sicherheitsbehörden hätten das Gebäude von Panzern und schweren Kampffahrzeugen aus beschossen. Die Hintergründe seien unklar, sagte Dubnow.

Auch der turkmenische Dienst des Radiosenders Radio Liberty berichtete über die gewaltsamen Auseinandersetzungen. Andere Medien meldeten unter Berufung auf Augenzeugen und Diplomaten ebenfalls Schusswechsel.

Das öl- und gasreiche Turkmenistan wird von Präsident Gurbanguly Berdymuchammedow regiert. Menschenrechtler kritisieren, dass eine freie Meinungsäußerung in der frühen Sowjetrepublik unmöglich ist. Kritiker der turkmenischen Führung, unter ihnen Journalisten, sitzen im Gefängnis. Sie beklagen, dass die von Präsident Berdymuchammedow angekündigten Reformen bisher nur Stückwerk geblieben seien. Sein Ende 2006 verstorbener Vorgänger Saparmurat Nijasow hatte sich mit einem bizarren Personenkult umgeben und den Titel "Turkmenbaschi" (Führer aller Turkmenen) verliehen. (APA/dpa)

 

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