Nachgefragt: Herbert Kickl (FPÖ)

14. September 2008, 10:39
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DER STANDARD: Befürworten sie eine Zusammenlegung der drei Dachverbände ASKÖ, SPORTUNION, ASVÖ?

Wie die Vereine sich organisieren und welche Zusammenschlüsse oder Dachverbände sich bilden, soll durch die Politik nicht vorgegeben werden, d.h. kein Eingriff in die Vereinsfreiheit. Die Vergabe von Förderungen ist aber zu entpolitisieren.

Befürworten sie eine Konzentration der Fördermittel auf medaillenträchtige olympische Disziplinen?

Sowohl der Spitzen- als auch der Breitensport haben ihre Berechtigung und ein Anrecht auf Fördermittel. Es geht primär vor allem um eine ausgewogene Verteilung. Außerdem kann in jeder Sportart bei entsprechender Breite auch eine medaillenträchtige Spitze heranwachsen.

Ist es sinnvoll, die Sporterziehung auf Sieg und Leistungsoptimierung zuzuschneidern?

In unserer Zeit zählt der 4. Platz ja scheinbar viel zu wenig, man sollte daher auch wieder allgemein eher zum olympischen Gedanken zurückkehren. Die Sporterziehung der Kinder muss nämlich diesen in erster Linie auch Spaß machen, damit abseits bzw. nach der Schule Sport vor allem als sinnvolle und gesunde Freizeitbeschäftigung weiterbetrieben wird. Das heißt jedoch nicht, dass die Leistungsförderung bei Talenten zu vernachlässigen ist.

Befürworten sie eine Neuverteilung der Fördermittel, da der Fußball derzeit zu viel aus den Lotto-Mitteln erhält?

Lotto und Toto stellen Bundesmittel dar, man darf nicht vergessen, dass es daneben auch andere Bundes-, sowie Landes- und Gemeindemittel in nicht unbeträchtlichem Ausmaß gibt. Insgesamt ist die Verteilung unter Berücksichtigung auch kleinerer Vereine und Verbände aber sicher optimierungsbedürftig. Unbestritten ist jedoch auch, dass Fußball neben dem Schisport in Österreich die größte Publikumswirksamkeit hat und auch im Bereich Breitensport sicher neben dem Schifahren an der Spitze liegt.

Befürworten sie ein Berufsbild Sportler und eine Lehrlingsausbildung Sport, ähnlich der in England?

Das wäre sicher eine interessante Ergänzung zu den vorhanden Ausbildungsangeboten wie diversen Sportschulen, Leistungszentren, Bundesheer oder ähnlichem.

Befürworten sie die tägliche Turnstunde? Oder zumindest die Vermehrung der schulischen Bewegungseinheiten, im berufsbildenden Zweig findet ja bis heute null Bewegungsunterricht statt?

Ja, alles was die Einstellung „Bewegung macht Spaß und ist gesund" fördert, ist positiv zu bewerten. Auf jeden Fall ist aber die Gesundheitsvorsorge auch an Schulen durch Bewegungslehre und Sportunterricht wieder vermehrt zu forcieren (etwa wieder mehr Turnstunden). Wir betrachten das auch als wesentlichen Teil einer verstärkten Vorsorge im Gesundheitssystem, da eine gesunde Lebensweise natürlich schon im Kindesalter beginnt. Daher können wir uns durchaus auch eine tägliche Turnstunde vorstellen.

Befürworten sie eine stärkere Kontrolle des (autonomen) Sports durch die Politik?

Ganz klar: Nein.

Ist die Anzahl der Medaillen und allgemein das Abschneiden bei Olympia ein aussagekräftiger Wert für die Leistungsfähigkeit des österreichischen Sports?

Die Anzahl der Medaillen und allgemein das Abschneiden bei Olympia ist wichtig für die Motivation unserer Spitzensportler und es ist zweifellos für unser Land sehr schön, wenn Österreich hier im vorderen Bereich auftaucht. Aber es wäre ebenfalls sehr wichtig, wenn Österreich in der Statistik der Herz-Kreislauferkrankungen und bei übergewichtigen Kindern weiter hinten zu finden wäre.

In Österreich fehlen, vor allem in Wien, Sportstätten, überwiegend Hallen. Was würden sie dagegen unternehmen?

Wir haben bereits vorgeschlagen, statt des Stadienrückbaus nach der Fußball-EM eine Sportstättenoffensive zu starten und das vorgesehene Geld für den Ausbau und die Renovierung von Sportstätten und Hallen zu verwenden. Die Organisation der Hallennutzung zu verbessern, wäre auch ein sinnvoller Schritt. Oft stehen vorhandene Hallen leer bzw. werden nur sehr spärlich genutzt.

Warum wird der Sport nicht stärker propagiert - als Prävention, als Sparmaßnahme in der Krankenversicherung?

Diese berechtigte Frage ist vor allem an die berufenen Institutionen (Regierung, Krankenkassen, Sozialversicherung) zu richten. Es gab unter der vorletzten Regierung mehrere Initiativen, scheinbar ist ein wenig der Schwung verlorengegangen. Für uns von der FPÖ ist nämlich gerade die Vorsorge ein Primärfokus des Gesundheitswesens.

Befürworten sie die Kriminalisierung und strafrechtliche Verfolgung von Doping-Sündern und deren Helfern?

Ja, wobei der Schwerpunkt auf Trainern und Betreuern liegen muss, die sich durch die Empfehlung und/oder Verabreichung verbotener Substanzen in erster Linie am Sportler selber und in zweiter Linie am Gedanken eines fairen Wettkampfs vergreifen. Gerade Fairness ist im Sport aber enorm wichtig und es geht hier auch um die Vorbildwirkung für die Jugend. Deshalb darf man hier keinesfalls halbherzig vorgehen. Das Dopinggesetz war hier durchaus ein wichtiger Schritt. Es ist allerdings abschließend auch erforderlich, mittelfristig zu einheitlichen Lösungen im internationalen Bereich zu kommen. Es kann nicht sein, dass ein und dasselbe Vergehen in verschiedenen Ländern unterschiedlich sanktioniert wird.

Sollen im ORF mehr Randsportarten berücksichtigt werden? Und weniger Fußball und Ski, oder mehr davon? Ist im ORF zu viel/zuwenig Sport im Programm?

Eine ausgewogene Berichterstattung ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht nur im Sport Pflicht, sondern insgesamt Verpflichtung. Um der Diskussion über zu viel oder zu wenig Sport auszuweichen, könnte der ORF ja überlegen, sich vom vorhandenen Gemischtwarenladen ORF 1 und ORF 2 hin zu 3 Spartenkanälen wie etwa Unterhaltung, Information und Kultur / Sport zu entwickeln.

Wie bewerten sie die kommerzielle Verflechtung von Medien (Zeitungen, ORF) und Sportverbänden und -vereinen?
Wie bewerten sie die kommerzielle Verflechtung von Glücksspielmonopol und Sport, siehe Stickler, tipp3-Liga?

Es muss Sportverbänden und -vereinen, aber auch Einzelsportlern möglich sein, im Rahmen der geltenden Gesetze Medienpartnerschaften, Sponsoring, etc. zur Finanzierung der Sportausübung einzugehen. Die kommerziellen Verflechtungen mit Medien, mit dem Glücksspielmonopol, etc. haben aber unter den gleichen Rahmenbedingungen zu stehen wie die mit anderen gewerblichen oder privaten Sponsoren unter genauer Kontrolle der Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen.

Sollte Sportsponsoring steuerbefreit sein?

Ja, es gibt dazu bereits freiheitliche Anträge im Parlament, übrigens ebenso wie zur Steuerbefreiung von Kultursponsoring.

Umweltschonender Tourismus - wie stehen sie zum Ausbau der Gletscher, zum Mountainbiking, zum Tourenskilauf?

Auf jeden Fall kein weiterer Ausbau der Gletscher zur touristischen Nutzung, hier scheinen die Grenzen des Wachstums bereits erreicht, wenn nicht sogar schon überschritten zu sein.

Sollte das Sportwettengeschäft zur Finanzierung des Sports herangezogen werden?

Im Sportwettengeschäft ist die Wettbewerbsgleichheit zwischen Lotto/Toto und den privaten Anbietern herzustellen. Dieser Bereich ist außerdem genauestens auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere den Schutz von Jugendlichen betreffend, zu überwachen.

Wie kann man die Integration durch Sport (Park-Käfige, Vereine, Integrationsfiguren wie Jukic) fördern?

Integration findet nach unserer Beobachtung nahezu ausschließlich in den österreichischen Vereinen statt. Die in den Ballungsgebieten, insbesonders in der Bundeshauptstadt Wien immer häufiger werdenden ethnisch orientierten Sportvereine tragen nicht nur nichts zu Integration bei, sie fördern im Gegenteil die Trennung noch. Dass etwa auch in diversen Sport- und Freizeiteinrichtungen auf Druck von einigen Muslimen plötzlich eine Geschlechtertrennung stattfinden soll (Stichwort: Schwimmstunden nur für Frauen), lehnt die FPÖ daher auch strikt ab.

Wie stehen sie zu Beschränkungen für die Werbung, die sich beispielsweise bei Coca Cola über Sportler direkt an Kinder richtet?

Werbung, die sich ausschließlich an die Zielgruppe "Kinder" richtet, betrachten wir mit großem Misstrauen und Unbehagen. Hier wird in der Regel eine Zielgruppe angesprochen, die sich noch weniger als die ohnehin schon beinahe wehrlose Bevölkerung gegen die Indoktrination der Werber wehren kann. Hier gilt daher wieder das, was ich schon zur Verflechtung von Sport und Glückspielmonopol bzw. Sportwettengeschäft gesagt habe: Es muss eine genaue Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen geben, gegebenenfalls auch eine Schärfung der jeweiligen Bestimmungen. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 15. September 2008)

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