Wo das Soziale seine nationalen Grenzen hat

14. September 2008, 10:32
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Die FPÖ warnt vor ethnisch orientierten Sportvereinen und will gleichzeitig den olympischen Gedanken wiederbeleben

HC Strache mag ein Mensch mit einer einfachen Botschaft ("wir für uns") sein. In ihrem Wahlprogramm 2008 differenziert die FPÖ dann doch ein wenig. So findet sich sogar zum Sport ein kleiner Absatz, in dem grundsätzlich der freie Hochschulzugang verteidigt wird. Aber kein Grundsatz ohne Bedingung und Ausnahme, heisst es weiter: "Die bestandene Matura ist als Voraussetzung für ein Studium ausreichend. Ausnahmen darf es nur für Kunst- oder Sportstudien geben, wo spezifische Anlagen unabdingbar sind." Hirnschmalz und Muskelschmalz sind eben doch zwei existentielle Grundrechnungsarten, die nicht alle Menschen gleich gut beherrschen müssen.

Immerhin haben die Freiheitlichen seit der Wahl 2006, als ihnen der Sport nur im Zusammenhang mit dem freien Zugang von "Sport-, Bildungs- oder Kultureinrichtungen" eine Erwähnung wert war, in die "Grundwehrdiener" und "Aktive bei Blaulichtorganisationen" vergünstigt Eintritt erhalten sollen. Vielleicht nicht sehr fantasievoll, aber sehr sozial gedacht.

Die Integration stellt einen der programmatischen Schwerpunkt der Partei dar, sie findet lau FPÖ-Sportsprecher Herbert Kickl "nach unseren Beobachtungen nahezu ausschließlich in den österreichischen Vereinen statt". Wo jedoch, wie "in den Ballungsgebieten, insbesonders in der Bundeshauptstadt Wien" immer häufiger "ethnisch orientierte Sportvereine" auftreten, die "nicht nur nichts zu Integration" beitragen, sondern „im Gegenteil die Trennung noch" fördern, sei auch der Sport seiner gesellschaftlich positiven Wirkung verlustig gegangen. Kickl: "Dass etwa auch in diversen Sport- und Freizeiteinrichtungen auf Druck von einigen Muslimen plötzlich eine Geschlechtertrennung stattfinden soll (Stichwort: Schwimmstunden nur für Frauen), lehnt die FPÖ daher auch strikt ab."

Grundsätzlich muss die Autonomie des Sports oberstes Gebot sein, die Politik sollte den Verbänden auch eine entpolitisierte Förderung zukommen lassen. Was wohl eine indirekte Spitze gegen die teils parteipolitisch zuzuordnenden Dachverbände SPORTUNION (VP), ASKÖ (SP) und ASVÖ darstellt. Wie allen Politikern liegt Kickl auch die Bewegungsarmut, Verfettung und Alkoholisierung der Kinder und Jugendlichen im Magen. "Daher können wir uns durchaus auch eine tägliche Turnstunde vorstellen." Wie alle schlägt auch er daher vor, die Nutzung der (von Bund, Land und Kommunen finanzierten) Hallen und Sportplätze dem Diktat der Hallen- und Platzewarte zu entziehen und der Öffentlichkeit bedingungslos zu öffnen.

Derzeit zeichnet sich übrigens eine Einigung in Klagenfurt ab, wo das für die EURO 2008 errichtete Stadion nur ganz wenig zurückgebaut werden soll. Rund 22.000 Sitzplätze (statt rund 30.000) sollen zur Verfügung bleiben und die (im Meisterschaftsalltag von Austria Kärnten) freien Ränge würden mit vermarktbaren Werbeflächen austapeziert. Kickl will eine "Sportstättenoffensive starten und das vorgesehene Geld für den Ausbau und die Renovierung von Sportstätten und Hallen verwenden".

Die FPÖ drängt übrigens auf die Herstellung der „Wettbewerbsgleichheit zwischen Lotto/Toto und den privaten Anbietern". Anderen Parteien war eher ein Anliegen, dass auch die privaten (Inter-)Wettanbieter per Gesetz dazu angehalten werden, wie die ein Staatsmonopol nutzenden Casinos Austria, den Vereinen und Sportler, die Grundlage ihres Geschäfts sind, unter die Arme zu greifen.

Die geschäftlichen Verflechtungen von ORF, Glücksspielmonopol und dem ÖFB oder von diversen Zeitungen mit Sportvereinen stört Kickl nicht wirklich. Zur ORF-Diskussion aber trägt er ein interessantes Detail bei. Kickl: "Um der Diskussion über zu viel oder zu wenig Sport auszuweichen, könnte der ORF ja überlegen, sich vom vorhandenen Gemischtwarenladen ORF 1 und ORF 2 hin zu 3 Spartenkanälen wie etwa Unterhaltung, Information und Kultur / Sport zu entwickeln."

Dann könnte der Gesetzgeber vielleicht auch strengere Regelungen für Werbung ausarbeiten, die sich mittels Sportstars direkt an Kinder richtet und ihnen Zucker, Soft- und Energy-Drinks oder Fast Food auf die Seele drückt. Kickl: "Hier wird in der Regel eine Zielgruppe angesprochen, die sich noch weniger als die ohnehin schon beinahe wehrlose Bevölkerung gegen die Indoktrination der Werber wehren kann. Es muss eine genaue Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen geben, gegebenenfalls auch eine Schärfung der jeweiligen Bestimmungen." (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 15. September 2008)

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