Porsche gegen Piëch - das ist Brutalität

15. September 2008, 19:49
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Schwere innerfamiliäre Streitigkeiten wegen Volkswagen-Übernahme

Wolfsburg/Salzburg - Innerhalb der ansonsten sehr um Diskretion bemühten Familien Porsche und Piëch ist zum ersten Mal seit langem ein Konflikt öffentlich aufgebrochen. Grund ist der Übernahmepoker um Europas größten Autobauer Volkswagen Wolfgang Porsche, Enkel von VW-Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche und Sohn von Fery Porsche, dem Gründer des Sportwagenbauers, sagte über seinen Cousin Ferdinand Piëch, den Aufsichtsratspräsidenten von VW: "Ich bin entsetzt über sein Abstimmungsverhalten." Piëch hatte dem Betriebsrat zu einem Zwischensieg geholfen, indem er sich der Stimme enthalten habe.

Die Arbeitnehmervertreter streiten seit Monaten mit dem Porsche-Konzern darüber, wie in der Holding nach europäischem Recht die Belegschaft in den Kontrollgremien vertreten sein sollte. Wendelin Wiedeking, Porsche-Vorstandschef kämpft an vorderster Front gegen den VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, der zuletzt wieder tausende Arbeiter zu Demonstrationen bewegen konnte. Piëch wirft Wiedeking vor, er mache aus Porsche und VW verfeindete Unternehmen. Piëch - er ist der Sohn von Fery Porsches Tochter Louise Piëch - wollte seinen Einfluss als Aktionär der familieneigenen Unternehmen einsetzen, um den Porsche-Chefmanager abzulösen. Dies brachte wiederum Wolfgang Porsche in Rage, hört man.

Jetzt soll innerhalb der schwerreichen Familie - sie hat rund 50 Mitglieder - einen Mehrheit gefunden werden, den Verwandten aus dem Aufsichtsrat in Wolfsburg zu hebeln. Die Dr.Ing. h.c. F. Porsche AG hält derzeit rund ein Drittel der VW-Anteile. Für einen Piëch-Sturz bräuchte es aber die Unterstützung eines des zweitgrößten VW-Aktionärs, des Landes Niedersachsen. Dessen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat die Konfliktparteien zur Einigung aufgerufen. Es wäre "hilfreich, wenn die starken Persönlichkeiten, die es bei VW gibt, miteinander reden und sich aufeinander zubewegen", sagte er am Montag. (szem, ag, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.9.2008)

 

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