Simbabwe: Kein Modell für Afrika

12. September 2008, 19:36
7 Postings

Mit der Einigung scheint Simbabwe nach Kenia das zweite Land in Afrika zu sein, in dem innerhalb weniger Monate eine schwere Krise über den Verhandlungsweg gelöst worden ist - von Julia Raabe

Endlich einmal eine gute Nachricht aus Simbabwe! Die Details über die Machtteilung zwischen den beiden Kontrahenten, Präsident Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, sind zwar noch nicht bekannt. Aber eine Einigung der beiden Rivalen auf ein gemeinsames Vorgehen ist der einzige friedliche Weg aus dem Chaos der vergangenen Monate - das scheinen beide Seiten inzwischen verstanden zu haben. Ein vorsichtiger, hoffnungsvoller Jubel ist also angebracht.

Der greise Mugabe kann so langsam und in Würde abtreten, ohne Angst vor Vergeltungsmaßnahmen. Tsvangirai kann erstmals an der Macht teilhaben und muss nicht um das eigene Leben oder das seiner Anhänger fürchten. _Voraussetzung ist freilich, dass beide Seiten auch mittelfristig mit der Einigung leben können - und sich daran halten. Das bleibt abzuwarten. Gelingt es aber, ist auch der Grundstein gelegt für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes, mithilfe der Staatengemeinschaft.

Mit der Einigung scheint Simbabwe nach Kenia das zweite Land in Afrika zu sein, in dem innerhalb weniger Monate eine schwere Krise über den Verhandlungsweg gelöst worden ist. Das ist unter den jetzigen Umständen zwar nur zu begrüßen - Schule sollten diese Beispiele aber trotzdem nicht machen. Denn Wahlen sind Wahlen, und deren Ergebnisse müssen ernstgenommen werden. Auch wenn der Abschied von der Macht schwerfällt - langfristig darf es auch in Afrika keine Option sein, nicht genehme Wahlresultate im Nachhinein zu übergehen, indem man zunächst Gewalt anzettelt und die Sache mit seinem Kontrahenten dann am Verhandlungstisch quasi unter sich ausmacht. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2008)

Share if you care.