Opernball: Ioan Holender bittet Kanzler und Präsident zur Kassa

12. September 2008, 19:35
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Direktor Holender sieht nicht ein, warum Bundespräsident und Kanzler die Proszeniumlogen gratis bekommen sollen: Er verlangt von beiden nun je 50.000 Euro

Wien - Keine Frage: In wirtschaftlichen Dingen ist Staatsoperndirektor Ioan Holender mit allen Wassern gewaschen. Daher gelang es ihm, viele Jahre lang positiv zu bilanzieren, obwohl die Subvention des Staates gedeckelt blieb. Noch zehrt er von Rücklagen, doch diese werden bald aufgebraucht sein.

Holender wäre aber nicht Holender, wenn ihm nichts einfallen würde. Wenn er schon den Opern "machen muss", dann will er Geld verdienen - für die Kunst. Und so sieht er nicht ein, warum Bundespräsident und Bundeskanzler die beiden Proszeniumlogen unentgeltlich bekommen sollen, wie er auf Nachfrage des Standard bestätigt: "Wenn der Bürgermeister sich eine Loge kaufen kann, warum dann nicht auch der Kanzler?"

Die große Mittelloge im ersten Rang soll natürlich weiterhin der kostenlose Tummelplatz der Staatspolitiker bleiben. "Denn es ist wichtig für den Ball, dass er unter dem Ehrenschutz der Regierung steht. Die Herrschaften Bundespräsident und Kanzler können dem Ball gerne auch in der Mittelloge beiwohnen. Aber zwei weitere Logen kann und will ich nicht mehr gratis hergeben."

Bereits im Juni teilte Holender den "Herrschaften" mit, dass er sich gezwungen sehe, je 50.000 Euro in Rechnung zu stellen. Bundespräsident Heinz Fischer antwortete bisher nicht offiziell. Und Alfred Gusenbauer hatte gemeint, er könne die Loge nicht buchen, weil er am 19. Februar wohl kaum mehr Kanzler sein werde.

Reservierungsliste für die Superlogen

Holender erhöht nun den Druck: "Kanzler und Präsident haben natürlich ein Vorkaufsrecht. Aber wir informieren gerade unsere Förderer, dass diese Logen vielleicht zu mieten sein werden, und legen eine Reservierungsliste an. Die endgültige Entscheidung wird aber erst nach der Konstituierung der neuen Bundesregierung gefällt werden."

Welche Gefahren drohen wegen des Antikorruptionsgesetzes, das die Annahme von Geschenken (ab einem Richtwert von hundert Euro) verbietet? Kürzlich hatte Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, im Interview mit dem Standard gemeint: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass gegenwärtig jemand eine Opernballeinladung aussprechen oder annehmen kann."

Holender jedenfalls sieht kein Problem: "Alle Logen sind verkauft - wie immer. Und niemand hat bis jetzt eine Loge storniert." Denn der Sitz in einer Loge hat keinen Preis: "Man kauft nur die ganze Loge."

Aber wenn sich die Festspielpräsidentin Gedanken um die Staatsoper macht, dann macht er sich auch welche um Salzburg. Denn dort werden hunderte Karten an die Sponsoren verkauft: "Da frag ich mich: Muss der Sponsor den Kartenverkauf unterstützen, weil der so schlecht läuft? Der größte Sponsor ist der Steuerzahler! Ihm sollen die Karten in erster Linie zur Verfügung stehen."

Und Holender weiter: "Stellen Sie sich einmal vor, die Bayreuther Festspiele würden Mercedes 500 Karten geben! Der Intendant würde erschlagen werden. Dort bekommt jeder nur zwei Karten. So wie bei uns! Und: Eine Premierenfeier mache ich doch für die Künstler - und nicht für die Sponsoren! In Salzburg kann man ja das Festspielhaus fast nicht verlassen, weil überall Audis herumstehen."(Thomas Trenkler, Der Standard Print-Ausgabe, 13./14.09.2008)

 

  • "Alle Logen sind verkauft - wie immer. Und niemand hat bis jetzt eine Loge storniert."
    standard/matthias cremer

    "Alle Logen sind verkauft - wie immer. Und niemand hat bis jetzt eine Loge storniert."

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