Kleinanleger mit Sonderprüfung bei Immoeast abgeblitzt

12. September 2008, 19:34
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Das Darlehen des Osteuropa-Investors Immoeast an den Mehrheitsaktionär Immofinanz sorgte für Aufregung bei der Hauptversammlung

Wien - In zehn Kinosälen bietet das Cineplexx am Wienerberg üblicherweise filmische Unterhaltung. Damit die Auslastung des Kinos steigt, werden die Säle auch gerne vermietet. So trafen sich am Donnerstag die Anleger von Immoeast im Kinosaal Nummer vier. Die 486 Plätze wurden zwar nicht restlos gefüllt, bis zu 300 Anleger kamen aber in die "Vorstellung Hauptversammlung" , die noch ein Nachspiel haben könnte.

Bei der Vorlage des Jahresabschlusses (Punkt eins der Tagesordnung) wollte eine Aktionärsgruppe den Antrag auf die Bestellung eines Sonderprüfers einbringen. Die Abstimmung über diesen Antrag wurde aber von Aufsichtsratschef Helmut Schwager nicht zugelassen: Nicht auf der Tagesordnung.

Darlehen an die Mutter

Was die Aktionäre geprüft haben wollen: Die Immoeast hat ihrer Mutter Immofinanz ein Darlehen in der Höhe von 1,5 Milliarden Euro gewährt. In der Immoeast-Bilanz hätte dieses Darlehen abgewertet werden müssen, wie einige Anleger finden. Der Grund: Die Immofinanz selbst hat nämlich im Vorjahr zwei Wandelanleihen begeben, die mittlerweile im Wert stark gesunken sind. Ausgegeben wurden sie zu 100 Euro, jetzt notieren sie bei 65,4 bzw. 73,6 Euro. Daher hätte auch die Immoeast ihr Darlehen abwerten müssen, heißt es. Geprüft werden sollte auch, ob die Verzinsung dieses Darlehens marktkonform sei.

Überhaupt gefalle den Anlegern nicht, dass mit dem Geld der Immoeast die Mutter quasi finanziert werde. Rechnet man aus dem Eigenkapital der Immofinanz (hält 50,5 Prozent an Immoeast) nämlich ihre Beteiligungen heraus, "bleibt so gut wie kein Eigenkapital mehr über", wie es ein Analyst ausdrückt.

Zweiter Anlauf

So schnell wollten die Aktionäre aber nicht aufgeben. Beim dritten Punkt der Tagesordnung (Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates) wurde der Antrag auf den Sonderprüfer erneut eingebracht und erneut abgeschmettert - mit dem Argument, der Wirtschaftsprüfer (KPMG; Anm.) habe das bereits geprüft. Widerspruch wurde zu Protokoll gegeben, womit der Weg frei wäre für eine Anfechtung der Beschlüsse. "Wir lassen diesen Punkt jetzt noch einmal prüfen" , sagt Karl Petrikovics, Chef der Immofinanz, zum STANDARD.

Die Anleger zeigten sich über den Aktienkurs alles andere als erfreut. Rund vier Euro ist ein Anteilsschein wert, bei 8,76 Euro lag das bisherige Jahreshoch. Begründet wurde vieles mit der Subprime-Krise und der derzeit schlechten Marktlage.

Damit erklärte Petrikovics auch den Rückzug des Antrags auf eine Kapitalerhöhung. Im derzeitigen Umfeld bestünde die Gefahr, dass der Markt eine Kapitalerhöhung nicht gut aufnehme.

Ein schlechteres Umfeld bzw. einen deutlichen Preisverfall erwarten die Analysten von Morgan Stanley an den Immomärkten in Osteuropa. Sie haben das Kursziel von Immoeast daher von 6,20 auf 3,00 Euro halbiert.  (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.9.2008)

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