Bauern sehen sich als Opfer

12. September 2008, 18:40
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Steuervorteil bei Ab-Hof-Lebensmittelverkauf in Gefahr

Eine Senkung der Mehrwertsteuer (MwSt.) auf Lebensmittel würde die Bauern zweifach treffen: Einerseits fürchten sie, den MwSt.-Satz von zwölf Prozent auf den Ab-Hof-Verkauf von Wein zu verlieren, wenn sich drei ermäßigte MwSt.-Sätze als EU-widrig erweisen. Andererseits müssten sie dann wohl auch die MwSt. für Ab-Hof-Verkäufe von Lebensmittel halbieren, die sie anders als andere Unternehmer einbehalten können. Der potenzielle Verlust wird von der Landwirtschaftskammer (LWK)auf 15 bis 16 Millionen Euro geschätzt.

Die meisten Bauern genießen eine Umsatzsteuer-Pauschalierung: Sie müssen keine MwSt. abliefern, können dafür aber auch bei Ausgaben für landwirtschaftliche Geräte oder Saatgut keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Beim Verkauf an Händler dürfen sie zwölf Prozent aufschlagen, bei Privaten nur zehn Prozent. Ob dieser Satz bei einer allgemeinen MwSt.-Senkung ebenfalls halbiert wird, hängt vom Wortlaut des Gesetzes ab, es gilt aber als sehr wahrscheinlich.

"Es ist schmerzhaft, zum Kollateralschaden dieser politischen Auseinandersetzung zu werden" , sagt ein LWK-Mitarbeiter So schlimm dürfte es allerdings auch nicht werden: Niemand könnte Bauern daran hindern, die Bruttopreise trotz geringerer MwSt. kons-tant zu halten. "Auch im Handel erwartet man, dass die Steuersenkung versickern wird. Der Bauer würde damit sogar auf Verständnis stoßen, denn er profitiert ja nicht davon" , heißt es in der Kammer. (Eric Frey, DER STANDARD, 13.9.2008)

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