UN-Entwicklungsziele in weiter Ferne

12. September 2008, 17:45
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Bericht zur Halbzeit: Steigende Lebensmittelpreise drohen Armut zu verschlimmern

Wien - Acht Jahre sind mittlerweile vergangen seit sich hochrangige Politiker aus 189 Ländern in New York versammelten um am Millenniumsgipfel der UNO eine Erklärung zur Bekämpfung extremer Armut und Hunger zu verabschieden. Die Deklaration wurde in einen Leitplan übersetzt, der acht zeitlich gebundene und messbare Ziele vorsah, die bis 2015 erreicht werden sollten: Die Millennium-Entwicklungsziele.

Seither ist zwar die Halbzeit der anberaumten Umsetzungsdauer erreicht, nicht jedoch ein Großteil der Zielsetzungen. Dem soeben veröffentlichten UN-Bericht zu den Millenniumszielen von 2008 zufolge drohen die bisherigen Erfolge von aktuellen Entwicklungen zunichte gemacht zu werden.

"Wir haben es mit nichts Geringerem als einer Entwicklungskrise zu tun" , lautete das Urteil von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. "Auf halbem Weg bis 2015 ist klar, dass wir nicht dabei sind, die Ziele zu erreichen - vor allem nicht in Afrika." Im Gegensatz zu erfreulichen Entwicklungen in Ostasien - vor allem China - sei die Zahl der Armen im südlichen Afrika und in den früheren Sowjetrepubliken sogar gestiegen.

Als Ursachen dafür nannte Ban Ki-moon weltweite Wirtschaftsschwierigkeiten, rasant steigende Nahrungs- und Energiekosten sowie die globalen Auswirkungen des Klimawandels. Nur durch eine vehemente gemeinsame Kraftanstrengung ("aggressive push" ) sei es in der verbleibenden Zeit noch möglich, die Millenniumsziele zu erreichen.

Vorsicht optimistisch zeigten sich auch die geladenen Experten bei der Präsentation des Reports am Freitag in Wien. Staatssekretär Hans Winkler bezeichnete die Erreichung der Ziele nach wie als realistisch, richtete jedoch einen Appell an die österreichischen Politiker, alles zu tun, um die Millenniumsziele zu erreichen. Ulrike Schelander von Care Österreich forderte, dass alle Entwicklungsziele in Hinblick auf frauenspezifische Auswirkungen zu überprüfen seien, da Frauen am häufigsten von Armut betroffen seien. Zudem sei mehr notwendig, als bloße Versprechungen, so Schelander.

Demnächst sollen sich bei einem Treffen in New York Regierungsvertreter, darunter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Außenministerin Ursula Plassnik, zu weiteren Maßnahmen verpflichten. (Marion Gollner/DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.9.2008)

 

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