"Ich mag da nicht herumhupfen!"

13. September 2008, 08:09
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Außenministerin Plassnik warb am Freitag beim "Fest der Europafreunde" Rücken an Rücken mit ÖVP-Chef Wilhelm Molterer um Stimmen - und auch ein bisschen für die EU

Wien - „Frau Minister, dürfen wir Sie auf die Bühne bitten?" Die höfliche Organisatorin hat sich wegen ihres Anliegens mühsam einen Weg durch die Menge am Minoritenplatz gebahnt - doch Außenministerin Ursula Plassnik sagt: „Ich mag da nicht herumhupfen!" Ein Kabinettsmitglied erklärt: „Wissen Sie, die Idee von heute ist, dass das nicht so von oben herab passiert."


Willkommen beim „Fest der Europafreunde", zu dem Außenministerin Plassnik (ÖVP) und ihr EU-Staatssekretär Hans Winkler am Freitag vor und ins Außenamt geladen haben. Mitten im Wahlkampf will das Regierungsduo dem skeptischen Volk die EU hier doch noch etwas näherbringen - in Form von blauen Gimmicks, die mit gelben Sternen übersäht sind und mit musikalischer Unterhaltung, unter anderem von Sandra Pires und einer Vorarlberger Jazzformation. Auch ÖVP-Spitzenkandidat, Vizekanzler Wilhelm Molterer, der der SPÖ allem voran wegen ihres Europa-Schwenks - die Roten wollen künftige EU-Verträge einer Volksabstimmung unterziehen - die Koalition aufgekündigt hat, ist gekommen, um sich unter neugierige Schulklassen, Pensionisten-Paare und Spaziergänger an den Stehtischen zu mischen.


Statt Plassnik müht sich auf der Bühne Kurzzeit-Starmania-Star Vera Böhnisch, die Besucher in Stimmung zu versetzen. Im Gebäudeinneren erwartet die Schaulustigen ein Schilderwald, auf dem die Errungenschaften Brüssels für das Land thematisch aufbereitet sind. Gleich auf der dritten Schautafel findet sich unter dem Titel „Verhandlungen mit der Türkei" ein Hinweis, der auch jeden überzeugten Sozialdemokrat freuen dürfte: „Bei Vorliegen eines Verhandlungsergebnisses mit Beitrittsziel", steht da zu lesen, „werden Österreichs Bürger jedenfalls in einer Volksabstimmung das letzte Wort haben!"

Einen Raum weiter stehen drei Migrantenkids um eine Dame, die ein EU-Computerspiel erklärt. „Wer war der Hauptverhandler bei Österreichs EU-Beitritt?", will die Maschine wissen, „Alois Mock? Oder Brigitte Ederer?". Die Schüler schauen einander ratlos an. Die Mitarbeiterin klickt rasch auf den schwarzen Ex-Außenminister, und erklärt kurz, wer dieser war. Über die rote Staatssekretärin, heute Siemens-Chefin, wird kein Wort verloren. Gegenüber hat ihr Kollege alle Hände voll zu tun, die jungen Leute für das virtuelle EU-Spiel zu begeistern - die meisten wollen nur im Web surfen.

Vor dem Ministerium hat Plassnik inzwischen Position vor einem Plakat bezogen, auf dem das Außenamt die Bürger eingeladen hat, sie unter dem Motto „Was Europa für mich bedeutet" zu beschriften: Neben Worten wie „Gleichheit" und „Brüderlichkeit" prangt auch der Hinweis „Teuerung!"


Doch die Ministerin hat kaum Zeit, sich das alles durchzulesen. Sie schüttelt zahlreiche Besucherhände, lässt sich bereitwillig knipsen, stellt sich den Fragen. Gegen 17 Uhr endet das „Statement" für Europa. Und Plassnik zeigt sich zufrieden, dass insgesamt an die 3500 Besucher vorbeigekommen sind. (Nina Weißensteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2008)

 

  • "Nicht so von oben herab" : Ministerin Plassnik feierte mit Molterer und Europafreunden die EU.
    foto: standard/urban

    "Nicht so von oben herab" : Ministerin Plassnik feierte mit Molterer und Europafreunden die EU.

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