Als das Boot meiner Liebe am Alltag zerschlug

12. September 2008, 16:28
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Francine du Plessix Grays "Majakowskis letzte Liebe"

Ich bin ein Dichter. Nur das macht mich interessant. Nur davon schreibe ich." Diese Selbstaussage Wladimir Majakowskis (1893-1930) ist nicht so schlicht, wie sie scheint. Sondern so komplex, wie dieser russische Dichter zu Lebzeiten war: Körperlich imposant, besaß er exzellente Manieren; Rhapsode der kommunistischen Revolution, schrieb er sanfte, ergreifende Liebespoeme. Eines seiner schönsten widmete er schon im Titel einer jungen Exilrussin, Tatjana Jakowlewa. Sie war seine letzte Liebe. Deren Tochter, die heute in den USA lebende Autorin Francine du Plessix Gray, hat nun in einem klugen und stilistisch eleganten biografischen Essay die Geschichte beider aufgeschrieben.

1928 begegnete Majakowski in Paris der 22-jährigen Russin, führte sie aus und wechselte nach seiner Rückkehr nach Moskau leidenschaftliche Briefe mit ihr. Fragil war die Beziehung, gestört von der eifersüchtigen Ex-Geliebten Lilja Brik und den frühstalinistischen Restriktionen, die zur Isolation des Dichters führten, schließlich zu seinem Selbstmord. 1940 emigrierte die frisch verwitwete Tatjana mit ihrer Tochter Francine und heiratete in New York Alexander Liberman, der den Zeitschriftenverlag Condé Nast leitete. Doch lebenslang blieb Majakowski Tatjanas große, unerfüllte Liebe - als sie aus Paris floh, packte sie Kleidung für drei Tage ein, Schmuck und Majakowskis Briefe an sie. Lobenswert auch, die zentralen Liebesgedichte, von Alexander Nitzberg neu übersetzt, dem Text beizufügen. (Alexander Kluy, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.09.2008)

Francine du Plessix Gray, "Majakowskis letzte Liebe" . Deutsch: Mathias Wolf. € 19,50/ 128 Seiten. Berenberg Verlag, Berlin 2008

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