"Lassen sich nicht so viel gefallen"

13. September 2008, 17:00
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Mit den Millennials steige eine sehr selbstbewusste Generation ins Berufs- leben ein, meint Kuntner-Schweickhardt (Erste Bank) im Interview

Mit den Millennials steige eine sehr selbstbewusste Generation ins Berufsleben ein, meint Ursula Kuntner-Schweickhardt (Erste Bank). Die Herausforderungen – und was andere von ihnen lernen könnten – erfuhr Gudrun Ostermann.

Standard: Die Generation der Millennials, also der in den 1980er-Jahren Geborenen, stellt eine neue Herausforderung für die Personalisten dar. Was zeichnet diese Generation aus?

Kuntner-Schweickhardt: Diese jungen Berufseinsteiger sind in einem Umfeld großgeworden, wo sie glauben, alles sei möglich. Der Glaube an sich selbst ist sehr ausgeprägt. Sie sind nicht gewohnt zu verlieren, weil sie auch genügend Chancen haben. Role-Models, die es selbstständig oder in einem Unternehmen in kurzer Zeit bis an die Spitze gebracht haben, bestärken sie in ihrer Einstellung, dass auch sie schnell etwas erreichen können.

Standard: Ist diese Einschätzung berechtigt?

Kuntner-Schweickhardt: Millennials sind mit anderen Familienkonstellationen aufgewachsen. Es ist die Generation, wo beide Elternteile ihren Beitrag zu Erziehung und zum Familieneinkommen geleistet haben. Und sie hatten auch Geld für eine gute Ausbildung. Von Millennials wird daher vieles für selbstverständlich erachtet. Sie haben ein schwächeres Sicherheitsbedürfnis. In gewisser Weise haben sie recht, weil sich ja auch der Arbeitsmarkt so entwickelt – sofern sie eine gute Ausbildung haben, sind sie gefragt.

Standard: Die Wirtschaft kann ihren Ansprüchen aber nur zum Teil gerecht werden. Welche Gefahren stecken darin?

Kuntner-Schweickhardt: Die Berufswelt besteht nicht hauptsächlich aus Millennials. Der Wunsch, schnell nach oben zu kommen, ist nicht für jeden erfüllbar und birgt daher ein hohes Frustpotenzial. Millennials müssen erkennen, dass es auch für sie Grenzen gibt. Das kann zu einer Herabsetzung der Leistungsfähigkeit führen. Die Folge ist ein verstärktes Jobhopping, bis hin zur Resignation.

Standard: Was bedeutet das für die Personalentwicklung?

Kuntner-Schweickhardt: Die Integration ins Unternehmen stellt die _Herausforderung dar. Denn für die Besonderheiten dieser Generation gibt es derzeit noch zu wenig Bewusstsein. Millennials geben sich nicht so leicht zufrieden und lassen sich nicht so viel gefallen. Nach dem Motto "Wenn's nicht da ist, ist's woanders" zögern sie nicht lange und verlassen das Unternehmen. Um eine gute Verknüpfung mit den anderen Generationen herzustellen, müssen die Manager auf die Unterschiede sensibilisiert werden.

Ein weiterer integrativer Faktor für Millennials wäre eine Art Lernpartnerschaft. Nicht im Sinne eines Mentors, denn das wäre ein Zeichen, das ihre Besonderheit noch weiter hervorheben würde, sondern jemand, der ihnen zeigt, dass auch für sie nicht alles sofort möglich ist. Denn bei allen Qualifikationen, die Millennials ins Berufsleben mitbringen, erfordert der berufliche Alltag auch ein gewisses Maß an Geduld und Demut.

Standard: Was können andere Generationen von den Millennials lernen?

Kuntner-Schweickhardt: Einen Teil der Sorglosigkeit und Leichtigkeit könnten wir uns von den Millennials durchaus abschauen. Da eine Mischung zu finden, um die Probleme nicht so sehr in den Vordergrund zu stellen, würde uns sicher guttun. (Gudrun Ostermann/DER STANDARD; Printausgabe, 13./14.9.2008)

Zur Person:

Ursula Kuntner-Schweickhardt ist seit 1998 Leiterin der Abteilung Recruiting und Personalentwicklung der Erste Bank.

  • In der Integration der Millennials ins Unternehmen liegt für Ursula Kuntner-Schweickhardt die größte Herausforderung für Personalverantwortliche. Gleichzeitig plädiert sie dafür, die Besonderheiten dieser Generation ernster zu nehmen.
    foto: erste bank

    In der Integration der Millennials ins Unternehmen liegt für Ursula Kuntner-Schweickhardt die größte Herausforderung für Personalverantwortliche. Gleichzeitig plädiert sie dafür, die Besonderheiten dieser Generation ernster zu nehmen.

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