Eine Schnecke als Retter in der Not

12. September 2008, 15:35
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Rainer Maria, die Schnecke, gerade auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, verliebt sich in die Garnele Tiger Lilly ...

Ludmilla hat recht: "Du kannst nur froh sein, dass du dich noch nie im Spiegel gesehen hast", stellt sie unmissverständlich fest. Es kommt selten vor, dass man mit einer Assel einer Meinung ist. Ganz ehrlich: Nacktschnecken sind das Letzte. Weil sich das so viele denken (und nicht nur Neo-Kleingärtner), hat Daniel Glattauer einen Nacktschneck zu seinem Titelhelden gemacht. Rainer Maria sucht das Paradies heißt sein Kinder-, Jugend-, Junggebliebenenbuch. Die Geschichte ist schnell erzählt: Rainer Maria, die Schnecke, gerade auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, lernt durch Zufall Tiger Lilly kennen, eine Garnele. Er hilft ihr, zurück in ihre Heimat zu finden, wo sie dann aber erst recht wieder gerettet werden muss. Natürlich verliebt sich der Schneck irgendwann in Tiger Lilly. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Für das perfekte Lesevergnügen sorgt nicht nur Standard-Kollege Daniel Glattauer mit seinem Text, auch die dazugehörenden Illustrationen von Johanna Roither sind sehr gelungen. Beide dürften einen großen Gerechtigkeitssinn haben beziehungsweise ein Herz für Außenseiter. Einen „Erfolg" können sie schon verbuchen. Die Buchmacher haben jeden-falls erreicht, dass zu Hause nun das eigene Kind aus der Anti-Schnecken-Front ausschert. Bisher galt folgende Unterscheidung: Die mit Haus mögen wir, jene ohne nicht. Vielleicht ist es nur ein Zufall, aber seitdem es Rainer Maria gibt, heißt es nur noch: "Die magst DU nicht." (Peter Mayr/DER STANDARD - Printausgabe, 13.9.2008)

Daniel Glattauer und Johanna Roither

"Rainer Maria sucht das Paradies"

13,30 Euro, 48 Seiten

Deuticke Verlag, Wien 2008

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