ORF On "massiv beschädigt"

12. September 2008, 15:28
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Betriebsrat und Redakteurssprecher von ORF.at protestieren bei ORF-Chef Wrabetz gegen Onlinedirektor Prantner - ORF-Sprecher weist "Zurufe" zurück - Prantner wünscht sich Weisungsrecht über ORF.at

Wien - Den Belegschaftsvertretern der ORF-Onlinetochter platzt der Kragen: "der Punkt ist erreicht, wo die Beschädigungen der Online-Arbeit nicht unkommentiert hingenommen werden können", schreiben sie ORF-Chef Alexander Wrabetz. "Wir erwarten von Ihnen, dergleichen für die Zukunft endlich zu unterbinden." Der deftige Protestbrief ging an Stiftungsräte, ORF-Betriebsrat und -Redakteursrat.

Ein Anlass: "D-ORF", eine Mischung aus Second Life, Ebay, StudiVZ und Partnerbörse Walter Meischbergers für ORF-Onlinedirektor Thomas Prantner. Der STANDARD hat das Projekt enthüllt; Wrabetz blies es offiziell ab - unter heftigem Protest des Autors. Direktor Prantner hatte die Webadresse für D-ORF schon gesichert.

Die Belegschaftsvertreter erinnern, dass man bei ORF.at Ende der 1990-er Jahre über Web 2.0 nachgedacht habe. Projekttitel originellerweise: "Village". "Bereits damals ließ man dieses Projekt aus gutem Grund fallen. Es hatte mit dem Auftrag einer öffentlich-rechtlichen Anstalt so überhaupt nichts zu tun."

'D-orftrottel'

"D-ORF" habe "den Beigeschmack möglicher polit-amikaler Deals" und ließen den ORF online "bestenfalls als 'D-orftrottel' dastehen". Und: "Hier werden Ansehen und Glaubwürdigkeit eines nach dem Buchstaben des ORF-Gesetzes gemachten Onlinemediums massiv beschädigt, ja die ganze Marke ORF, deren Stärkung sich die Onlinemitarbeiter stets verschrieben haben, in schiefes Licht gerückt.

Betriebsrat und Redakteurssprecher werfen Onlinedirektor Prantner zudem vor, er habe "nichts von seinen medial vollmundig angekündigten Plattformen realisiert". Wenn, verkaufe er die Arbeit der Onlinetochter als die seine. Multimediale Projekte seien "lange vor ihm" geschaffen worden.
ORF-Chef Wrabetz sagte im STANDARD-Interview, die Onlinedirektion sei als Thinktank gedacht. "Think" weisen die Sprecher entschieden zurück.

ORF-Direktor Prantner wollte sich über interne Vorgänge nicht äußern. ORF-Sprecher Pius Strobl wies "Zurufe" von außen zurück. Aufgabe des Onlinedirektors sei nicht, Software zu programmieren, sondern Prozesse zu managen. Strobl verwies da auf DVB-H (Handyfernsehen), MHP (den erweiterten Teletext für Digitalfernsehen) und Digitales Fernsehen insgesamt. Prantner und seine Direktion machten einen "guten Job".

Bei der ORF-Strategieklausur am Samstag war zunächst laut Tagesordnung kein Auftritt Prantners vorgesehen. Nach jüngsten STANDARD-Infos wird er doch teilnehmen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 13./14.9.2008)

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