Salzburg: Misshandlungsverdacht in Kaserne

12. September 2008, 15:20
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Ans Bett und Laternenmast gebunden - Verdächtiger: "Wir wollten ihm eine Lektion erteilen" - Opfer aus Militärspital entlassen

Salzburg (APA) - In der Krobatinkaserne in St. Johann im Pongau soll ein 20-jähriger Rekrut aus Tirol von mindestens acht Rekruten in der Nacht von 10. auf 11. September missbraucht worden sein. Der Tiroler wurde angeblich mit Kabelbinder ans Bett gefesselt, dann habe man versucht, ihm ein alkoholisches Getränk einzuflößen. Weiters habe man ihm Heuschrecken in die Unterhose gesteckt. Dann hätten ihn die Rekruten über eine Stiege vor die Kompanie getragen und an einen Laternenmast gefesselt, teilte das mutmaßliche Opfer der Exekutive laut Polizeibericht mit.

Während des Hinuntertragens hat das Opfer einem Täter in den Unterarm gebissen. Aufgrund der Bissverletzung konnten Polizisten des Bezirkspolizeikommandos St. Johann im Pongau einen 19-jährigen Rekruten aus Tirol ausforschen. Der Mann gab bei seiner Einvernahme an, dass die gesamte Kompanie unter den ständigen Verfehlungen des 20-Jährigen gelitten hätte und sie ihm deshalb eine Lektion erteilten.

Der Verdächtige bestritt aber, dass der Rekrut geschlagen wurde. Er nannte noch acht weitere Mittäter. Weil viele davon bereits wegen ihres Wochenendurlaubs die Kaserne verlassen haben, werden die Einvernahme am kommenden Montag fortgesetzt.

Lektion erteilen

Nach Angaben des stellvertretenden Bezirkspolizeikommandanten Rudolf Wieser ist dem 20-Jährigen ein Leintuch um den Kopf gebunden worden, so dass er die Täter nicht sehen konnte. Die Erhebungen der Polizei ergaben weiters, dass der Mann bei seinen Kameraden äußerst unbeliebt war. Die "Lektion", die ihm erteilt werden sollte, sei außer Kontrolle geraten, hieß es.

Zur vollständigen Aufklärung des Sachverhaltes sind weitere umfangreiche Ermittlungen wegen Freiheitsentziehung und Körperverletzung erforderlich, informierte die Exekutive. Vom Militärkommandos Salzburg werden parallel dazu Ermittlungen nach dem Militärstrafgesetz durchgeführt.

Bevor der verletzte Rekrut die Anzeige gestern, Donnerstag, auf der örtlichen Polizeiinspektion erstattete, suchte er das Krankenhaus Schwarzach im Pongau auf. Dort wurde ein verschobener Nasenbeinbruch festgestellt, der aber ambulant behandelt wurde. Die Ursache der Fraktur ist noch nicht geklärt.

Der Verletzte wurde daraufhin in einer Sanitätsanstalt des Bundesheeres in Tirol medizinisch und heerespsychologisch betreut. Er wurde heute aus dem Spital entlassen, sagte Gerald Gundl, Presseoffizier des Militärkommandos Salzburg. Der Rekrut habe leichte Verletzungen an den Händen und im Gesicht erlitten. (APA)

 

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    Es dürfte sich "um eine Abreibung wegen interner Schwierigkeiten" gehandelt haben.

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