Staatsanwalt nimmt Ermittlungen gegen Innsbrucker Klinik-Urologen auf

12. September 2008, 14:55
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Die Vorwürfe: Körperverletzung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit - AGES wirft Mediziner Betrug und Fälschung von Dokumenten vor

Innsbruck - In der Causa rund um die Stammzellentherapie gegen Harninkontinenz an der Urologie der Innsbrucker Universitätsklinik hat die Staatsanwaltschaft nun ein Ermittlungsverfahren gegen den Studienleiter eingeleitet. "Es liegt der Verdacht der Körperverletzung und die Gefährdung der körperlichen Sicherheit vor", erklärte Staatsanwalt Wilfried Siegele am Freitag und wies darauf hin, dass für den Verdächtigen die Unschuldsvermutung gelte.

Am 5. September sei der Anzeigenakt vonseiten der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH) eingelangt. In jenem Bericht waren die Vorwürfe des Betrugs und der Fälschung von Dokumenten bewiesen worden, hatte der Leiter des Instituts Inspektionen, Medizinprodukte und Hämovigilanz, Alexander Hönel, im August erklärt. Er habe keine Kenntnis darüber, inwiefern diese Vorwürfe Gegenstand des Verfahrens seien, sagte Siegele. "Das wird sich herausstellen."

Die Vorwürfe der AGES hatten sich gegen den Urologen als Einzelperson gerichtet. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte der Universitätsprofessor begrüßt. Es gelte, alle Vorgänge an der Klinik in dieser Causa zu prüfen.

Stammzellentherapie ohne ausreichende Aufklärung?

Anfang April dieses Jahres waren die Behandlung mittels Stammzellentherapie gegen Harninkontinenz und das Vorgehen der Innsbrucker Urologen nach der Klage eines deutschen Patienten ins Kreuzfeuer der Kritik geraten: Dieser hatte die TILAK (Tiroler Landeskrankenanstalt) auf Rückerstattung der Behandlungskosten geklagt und recht bekommen. Er sei an der Klinik mit einer "nicht wissenschaftlich anerkannten" Methode gegen Inkontinenz behandelt worden, ohne darüber ausreichend aufgeklärt worden zu sein. Bei der Therapie werden körpereigene Stammzellen eingesetzt.

Bei der Verhandlung am Bezirksgericht in Innsbruck erhob ein Vertreter der Ethikkommission schwere Vorwürfe gegen die Urologie an der Klinik. Der Patient sei außerhalb einer von der Ethikkommission abgesegneten Studie mittels einer "experimentellen Therapie" behandelt worden. Die TILAK wurde nicht rechtskräftig verurteilt. An der Klinik Innsbruck wurde auf Wunsch der TILAK die Stammzellentherapie vorerst eingestellt. (APA)

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