Werber: "Krone"-Kampagne ist "Faust­recht"

12. September 2008, 13:45
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"Wir sind im Wilden Westen angekommen", meint VP-Werber Markus Gull - Kontrahent Demner versteht VP-"Wehleidigkeit" nicht

"Wir sind im Wilden Westen angekommen, wo das Faustrecht herrscht", stellte Markus Gull, Kampagnenleiter der ÖVP-Wahlwerbung, fest. Die "Kronen Zeitung" untermauere mit ihrer Pro-SPÖ-Kampagne die These, "je mehr Kraft ich habe, desto mehr Recht kann ich mir verschaffen", sagte er im Rahmen einer vom Presseclub Concordia veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema "Wahlkampf und Medien - Demokratie im Stress".

Keine Berührungsangst der Eliten

Der gleichen Meinung war Andreas Koller, Vorsitzender der Initiative Qualität im Journalismus (IQ). In anderen Ländern sei es üblich, dass "Zeitungen, die den Konsens des Anstands brechen, eher geächtet werden". Hierzulande schreiben sowohl der Kardinal als auch der evangelische Bischof als Gastkommentatoren für die "Krone", "es gibt keine Berührungsangst der Eliten zu dieser Art von Journalismus", konstatierte Koller.

Andere bemühen sich auch

Anders als Gull, der glaubt, dass es "natürlich eine Rolle spielt, wenn die 'Krone' Wahlkampf gegen eine Partei führt", bewertet SP-Werber Mariusz Jan Demner die "Krone"-Causa. "Ich verstehe diese Wehleidigkeit nicht. Es hat doch schon Politiker gegeben, die sich massiv gegen die 'Krone' gestellt haben und trotzdem Bundeskanzler wurden oder geblieben sind." Die Omnipräsenz der SPÖ in Österreichs größter Tageszeitung stört den Werber naturgemäß nicht. Dass eine Partei im Wahlkampf die "Kronen Zeitung" als "breites Medium im Auge behält", verstehe sich laut Demner von selbst. "Es ist völlig legal, sich zu bemühen, dort präsent zu sein. Das tun andere auch."

Kein Aufklärungsjournalismus

Peter Vitouch, Professor für Medienpsychologie an der Universität Wien, sowie Astrid Zimmermann vom Medienhaus Wien vermissen im Wahlkampf den "ehrlichen Aufklärungsjournalismus" und den Blick hinter die Kulissen. Vielmehr würden zahlreiche Medien sich im Wettkampf um die aktuellste Wahlumfrage verlieren. "Dabei sind die Umfragen unter Berücksichtigung der Schwankungsbreite völlig aussagelos - aber sie verkaufen sich gut", meint Vitouch.

Regeln für Umfragen

Zimmermann fordert für politische Umfragen "klare gesetzliche Regeln", wann und wie oft, beziehungsweise wie lange vor dem Wahltermin sie veröffentlicht werden dürfen. "In anderen Ländern darf man zwei Wochen vor der Wahl keine Umfrageergebnisse mehr verbreiten, hier darf man das sogar am Wahltag", kritisierte Zimmermann. Auch die Schwankungsbreite würde so gut wie nie ausgewiesen, kritisierten die Medienexperten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gull und Demner.

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