Designer stecken Menschen in Riesencomputer

12. September 2008, 13:50
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Nutzer sollen im kugelförmigen I-Cocoon in einer virtuellen Umgebung den Computer mit ihrem gesamten Körper steuern können

Das internationale Design-Kollektiv NAU arbeitet an einer Computer-Kammer, in der sich Nutzer in einer virtuellen Umgebung rundum bewegen können. Der Immersive Cocoon soll die Interaktion zwischen Mensch und Computer auf die nächste Ebene heben. Gesteuert wird der Rechner, indem der Nutzer auf Objekte deutet und durch eine bestimmte Handbewegung abspeichert.

360-Grad-Display

Der Kokon, den die Designer am Liebsten in einer an gewisse Handys und MP3-Player erinnernden Hochglanzhülle in Pechschwarz sehen, soll mit einem 360-Grad-Display und Surround-Sound-Lautsprechern ausgestattet werden. Neben Gesten- und Gesichtserkennung soll etwa auch eine Bewegungsempfindliche Plattform erkennen, ob man geht oder hüpft. Nutzer sollen im Immersive Cocoon ihren gesamten Körper zur Steuerung des Rechners einsetzen, ohne dabei auf Maus, Joystick oder andere Eingabegeräte zurückgreifen zu müssen.

Games und virtuelle 3D-Shops

Neben virtuellen, interaktiven Reisen versprechen sich die Entwickler unter anderem großen Erfolg in der Gaming-Branche. Anstatt eine Spielefigur über einen Controller zu steuern, könnte der Nutzer selbst zu einem Spielecharakter inmitten der virtuellen Spielewelt werden.

Aber die Designer wollen mit ihrer Entwicklung noch weiter gehen. Nutzer könnten im Computer-Kokon im wahrsten Sinn des Wortes nach Informationen aus dem Web "greifen", anstatt dazu Tastatur und Maus zu benutzen. User könnten in einem 3D-Shop einkaufen, Arbeitsteams könnten sich im virtuellen Konferenzsaal treffen. Ein Ansatz, dem auch 3D-Welten wie Second Life folgen. Mit dem Cocoon könnten sich Nutzer aber selbst in die virtuelle Welt begeben und Objekte mit Gesten bewegen, anstatt sie nur auf einem kleinen Bildschirm vor sich zu sehen.

Architekten statt Webdesigner

Auch virtuelle Abbilder von öffentlichen Gebäuden und Plätzen könnten so besucht werden. Eine Demo-Version einer solchen Umgebung wird von den New Yorker Architekten Asymptote entwickelt, die auch für den 3D-Handelsplatz der New Yorker Börse und eine virtuelle Version des Guggenheim Museums verantwortlich zeichnen. Die Entwickler sprechen bereits jetzt davon, dass das 3D-Web in Zukunft von Architekten entwickelt werden wird.

Mit dem Immersive Cocoon folgen die Designer dem Trend der Computing-Branche, die Benutzer-Computer-Interaktion von Tastatur und Maus zu lösen. Erste Massenprodukte sind etwa Handys und Computer mit Multitouch-Screens wie das iPhone von Apple, Microsofts Surface oder Nintendos Spielekonsole Wii.

Erhältlich voraussichtlich ab 2014

NAU will den Prototypen im Oktober 2009 fertig stellen und erste Modelle 2014 auf den Markt bringen. Die Computer-Kokons sollen zunächst an öffentlichen Orten aufgestellt und von Unternehmen gemietet werden können, bis die Technologie günstig genug ist, um sie auch für Privatkunden anzubieten. (red)

  • Das Designer-Kollektiv NAU will den Nutzer vom Bildschirm wegholen und in den Immersive Cocoon stecken.
    foto: cnn.com

    Das Designer-Kollektiv NAU will den Nutzer vom Bildschirm wegholen und in den Immersive Cocoon stecken.

  • Im Inneren soll die virtuelle Realität von 360-Grad-Display und Surround-Sound-Lautsprecher erzeugt werden.
    foto: nau

    Im Inneren soll die virtuelle Realität von 360-Grad-Display und Surround-Sound-Lautsprecher erzeugt werden.

  • Im Cocoon könnte der Nutzer selbst zum Spielecharakter werden.
    foto: nau

    Im Cocoon könnte der Nutzer selbst zum Spielecharakter werden.

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