Ohne Schaum vor Mund in Monza

12. September 2008, 12:49
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Das letzte Wort zum GP von Belgien ist noch nicht gesprochen, da steht das nächste Formel-1-Rennen an. Lewis Hamilton, in Spa zurückversetzt, will sich am Sonntag in Monza wieder nicht zurückhalten - Raikkönen Schnellster

Monza - Land unter im königlichen Park zu Monza. Am Freitag in der Endphase des ersten freien Trainings begann es dermaßen heftig zu wascheln, dass die von ihren Chauffeuren kaum noch beherrschten Autos in die Garagen zurückbeordert wurden. Die waren gar nicht leicht zu erreichen. Die Boxenstraße stand unter Wasser. Die Sorge um die sündteure Technik war groß. Die Boliden wurden sofort aufgebockt, auf dass das Wasser nicht dorthin kommt, wo es wirklich nichts zu suchen hat. Vor dem Regen schaffte der Deutsche Adrian Sutil im Force India Bestzeit - 1:32,842. Am trockenen Nachmittag zeigte Weltmeister Kimi Räikkönen im Ferrari, wo der Bartel den Most holt - 1:23,861.

Der Vorbehalt

Für das Qualifying am Samstag und das Rennen am Sonntag versprechen die Meteorologen Regen. Geregnet hat es auch am vergangenen Sonntag in Spa, als McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton in einer Schikane den Weg abkürzte, dadurch vor Räikkönen wieder auf die Strecke kam, diesen zwar kurz vorbeiließ, aber gleich nochmals überholte. Die nach dem Rennen ausgesprochene 25-Sekunden-Zeitstrafe, die ihn vom ersten auf den dritten Rang zurückversetzt und Felipe Massa (Ferrari) den Sieg beschert hatte, hat McLaren beeinsprucht. Am 22. September darf Hamilton vor dem Berufungsgericht des Automobil-Verbandes FIA seine Argumente vorbringen.

Also ist vor dem GP von Italien zwar mit Vorbehalt, aber doch davon auszugehen, dass in der WM Hamilton (76 Punkte) vor Massa (74), Robert Kubica (BMW, 58) und Räikkönen (57) führt. "Wir werden uns aufs Rennen konzentrieren, aber auch deutlich machen, dass uns Unrecht geschehen ist. Ohne Schaum vor dem Mund", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

"Ich fühle mich nicht schuldig, und deshalb gibt es nichts, was ich verarbeiten müsste", sagt Hamilton. "Ich wäre der Erste, der zugeben würde, wenn ich etwas falsch gemacht hätte. Das ist für mich als Sportsmann sehr wichtig. Die Formel 1 wird doch erst durch die Überholvorgänge interessant." Und während Kommentatoren wie die ehemaligen Formel-1-Fahrer Niki Lauda, Marc Surer oder Christian Danner das Urteil verurteilten, finden es die meisten aktuellen Piloten okay. Massa: "Solche Vorfälle wurden schon oft in den Fahrerbriefings thematisiert. Es wurde klar gesagt, dass man nach dem Abkürzen die ursprünglichen Positionen wiederherstellen und die Vorteile zurückgeben muss."

Abgesehen davon mutmaßen die Kundigen, dass es angesichts des WM-Standes nun eine Stallregie bei Ferrari geben wird. "Wir werden eine Entscheidung im Interesse unseres Teams treffen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist", sagt Teamchef Stefano Domenicali. Gegenwärtig würden beide Fahrer gleich behandelt werden. Zu diesem Thema fällt einem der Österreich-GP 2002 ein, als Rubens Barrichello Meister Michael Schumacher kurz vor der Ziellinie auftragsgemäß passieren ließ. Das führte zu einem tollen Pfeifkonzert und empörte vor allem jene Wetter, die dank der guten Quote auf Barrichello gesetzt hatten. Das war übrigens im Mai und nicht im September. Monza ist der 14. von heuer 18 WM-Läufen.

Ehrgeizige Ziele

Am Freitag gab Ferrari bekannt, dass der Vertrag mit Räikkönen bis 2010 verlängert wurde. Ebensolang läuft der Vertrag von Massa, der heuer die eindeutig besseren WM-Chancen hat. Und Ferrari-Chef Luca di Montezemolo wurde zum ersten Präsidenten der kürzlich von den zehn Teams gegründeten Fota (Formula One Teams Association) gewählt. Die Fota-Ziele: "Verbesserung des Spektakels im Sport bei gleichzeitiger Reduzierung der Kosten und Erhöhung der Einnahmen." (bez, sid, DER STANDARD Printausgabe 13.09.2008)

 

Zweites Freies Training:


1. Kimi Räikkönen FIN Ferrari 1:23,861
2. Robert Kubica POL BMW +0,070
3. Nick Heidfeld GER BMW 0,086
4. Lewis Hamilton GBR McLaren 0,122
5. Nico Rosberg GER Williams 0,249
6. Felipe Massa BRA Ferrari 0,386
7. Heikki Kovalainen FIN McLaren 0,504
8. Mark Webber AUS Red Bull 0,660
9. Adrian Sutil GER Force India 0,808
10. Sebastian Vettel GER Toro Rosso 0,912
11. David Coulthard GBR Red Bull 1,239
12. Sebastien Bourdais FRA Toro Rosso 1,331
13. Giancarlo Fisichella ITA Force 1,343
14. Rubens Barrichello BRA Honda 1,435
15. Jenson Button GBR Honda 1,448
16. Kazuki Nakajima JPN Williams 1,469
17. Timo Glock GER Toyota 1,536
18. Fernando Alonso ESP Renault 1,620
19. Jarno Trulli ITA Toyota 1,892
20. Nelson Piquet BRA Renault 2,334

Erstes Freies Training:


1. Adrian Sutil GER Force India 1:32,842
2. Rubens Barrichello BRA Honda +0,586
3. Giancarlo Fisichella ITA Force 0,853
4. Timo Glock GER Toyota 3,958
5. Nico Rosberg GER Williams 4,058
6. Fernando Alonso ESP Renault 4,123
7. Sebastien Bourdais FRA Toro Rosso 4,300
8. Jarno Trulli ITA Toyota 4,372
9. Kimi Räikkönen FIN Ferrari 4,550
10. Sebastian Vettel GER Toro Rosso 4,912
11. Nelson Piquet BRA Renault 5,215
12. David Coulthard GBR Red Bull 5,461
13. Jenson Button GBR Honda 6,220
14. Felipe Massa BRA Ferrari 7,391
15. Nick Heidfeld GER BMW keine Zeit
. Kazuki Nakajima JPN Williams keine Zeit
. Robert Kubica POL BMW keine Zeit
. Heikki Kovalainen FIN McLaren keine Zeit
. Mark Webber AUS Red Bull keine Zeit
. Lewis Hamilton GBR McLaren keine Zeit

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kimi Raikkonen zieht durchs Wasser.

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