Gemeinsame Suche nach Feuerkugeln

12. September 2008, 11:56
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Ab Frühjahr 2009 beteiligt sich Österreich mit seiner ersten automatischen Meteorkamera an der Suche nach abgestürzten Trummern aus dem All

Wien - Der Österreichische Astronomische Verein errichtet derzeit die erste automatische Meteorkamera-Station in Österreich. Ab Frühling 2009 sollen am Standort in Niederösterreich alle sogenannten Feuerkugeln, helle Leuchterscheinungen am Himmel, erfasst und berechenbar werden.

Feuerkugeln oder Boliden sind meist heftigere Erscheinungen am Himmel als die zarten Sternschnuppen. Letztere sind nämlich vergleichsweise winzige Staubteilchen von der Dreckspur eines Kometen, während Feuerkugeln durch größere Brocken verursacht werden. Oft handelt es sich dabei um Trümmer aus dem Asteroidengürtel, die aus irgend einem Grund aus ihrer Bahn gerissen und von der Schwerkraft der Erde eingefangen wurden.

Ab einer gewissen Größe verdampft der Bolide durch die Reibung mit den Luftmolekülen der Erdatmosphäre nicht vollständig. Ein mehr oder weniger großer Brocken bleibt übrig und fällt als sogenannter Meteorit zu Boden.

Europäischen Feuerkugelnetz

Durch Bahnbeobachtung der Leuchterscheinungen können die Astronomen auf die Größe des Objekts schließen und sogar den Aufschlagsort des Meteoriten - so es einen gibt - errechnen. Je mehr Stationen die Feuerkugel und deren Bahn aufgezeichnet haben, desto genauer lässt sich der Absturzpunkt des Meteoriten berechnen, daher haben sich mehrere Länder zum Europäischen Feuerkugelnetz zusammengefunden.

Österreich ist zwar Mitglied des Netzes, verfügte bisher aber über keine automatische Aufzeichnungskamera; das soll sich nun ändern. Auf dem Gelände der privaten Sternwarte "Orion" im Waldviertel (Niederösterreich) wird bereits am Sockel für das System gebaut. Nach den derzeitigen Planungen wird das eigentliche Kamerasystem im kommenden Frühling aufgesetzt.

Film statt Chip

Das System verfügt einerseits über eine Art elektronischer Fernsehkamera, welche laufend den Himmel beobachtet. Nur wenn es freie Sicht auf die Sterne gibt, schaltet sich auch die Fotokamera ein und öffnet den Verschluss. Hinter dem Hochleistungsobjektiv befindet sich nicht etwa ein elektronischer Chip - wie in Digitalkameras - sondern ein guter, alter Hochleistungsfilm. "Für die unter Umständen Stunden dauernde Aufzeichnung des Himmels braucht das System eine Dynamik, welche nur ein Film leistet", so Initiator Hermann Mucke.

Neben den Fotos zeichnet das System auch Datum und Uhrzeit sowie Wetterdaten und sogar Geräusche auf. Entsprechend nahe und große Feuerkugeln machen sich nämlich auch akustisch bemerkbar, ein Zischen bis hin zu Donner ist möglich.

Finanziert wird Österreichs erste automatische Meteorkamera in erster Linie aus den Mitteln des Astronomischen Vereins. Der Grund für das Observatorium wurde von der Marktgemeinde Martinsberg zur Verfügung gestellt, bezüglich weiterer Förderungen sind laut Mucke Gespräche mit dem Land Niederösterreich und dem Wissenschaftsministerium im Gange. Außerdem wurde über die Astronomiezeitschrift "Der Sternenbote" eine Spendenaktion ("Sternenbote Spendenaktion", Konto-Nummer: 00510041585, P.S.K.) gestartet. (APA/red)

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    Manchmal fällt ein Stern auch zu Boden. Um den Absturzpunkt einer Feuerkugel leichter zu finden, haben sich mehrere Länder zum Europäischen Feuerkugelnetz zusammengefunden.

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