Japans Expremier Koizumi will eine Frau an der Macht

12. September 2008, 11:34
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Chancen für Yuriko Koike erste Ministerpräsidentin zu werden steigen - Liberaldemokraten sollen so Budgetdisziplin einhalten

Tokio - Die Chancen von Japans ehemaliger Verteidigungsministerin Yuriko Koike, erste Ministerpräsidentin des Landes zu werden, sind stark gestiegen. Denn am Freitag hat Junichiro Koizumi, der populäre Expremier des Landes, die Reformer in seiner Liberaldemokratischen Partei (LDP) aufgerufen, sich in den laufenden parteiinternen Präsidentschaftswahlen hinter die 56-jährige Politikerin zu stellen.

"Ich werde Frau Koike unterstützen", sagte Koizumi. Mit ihr als Regierungschefin hätte die LDP eine faire Chance, gegen die oppositionelle Demokratische Partei Japans (DPJ) in den wahrscheinlich im November stattfindenden vorgezogenen Neuwahlen zu gewinnen, sagte der Expremier. Der LDP-Präsident wird gleichzeitig Regierungschef.

Die Unterstützung gibt Koike im Kampf gegen ihre männlichen Mitbewerber um das höchste Amt in Partei und Staat den dringend benötigten Aufwind. Bisher rangierte sie in ihrer Partei wie in der Bevölkerung in Umfragen hinter dem Topfavoriten, Exaußenminister Taro Aso, und Nobuteru Ishihara, dem Sohn von Tokios nationalistischem Bürgermeister Shintaro Ishihara, abgeschlagen auf Rang drei.

Doch der Politstar Koizumi verfügt nicht nur in der Bevölkerung über viele Anhänger, gleichzeitig gibt es in der LDP-Fraktion auch rund 80 "Kinder Koizumis", die ihm ihren Einzug ins Parlament verdanken. Diese Gruppe könnte nun eine wichtige Rolle spielen.

"Koizumi setzt seiner Partei die Pistole auf die Brust", meint daher Noriko Hama, Wirtschaftsprofessorin an der Doshisha-Universität. Er wolle sie damit auf einen Kurs harter Strukturreformen und Ausgabensenkungen zurückzwingen. Denn sie hat sich unter dem unpopulären Ministerpräsidenten Yasuo Fukuda, der vor fast zwei Wochen plötzlich seinen Rücktritt angekündigt hat, ihrer alten, beim Volk unbeliebten Form der Klüngelpolitik angenähert. (Martin Koelling, DER STANDARD, Print, 13./14.9.2008)

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    Yuriko Koike will Japans erste Regierungschefin werden.

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