Schöner Anlegen mit Kunst

15. September 2008, 16:58
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Es ist noch nicht lange her, da interessierten sich Anleger bestenfalls aus privatem Vergnügen für Kunst - ein Bild, das sich zutiefst geändert hat

Anleihen enttäuschen, die Preise für Immobilien brechen ein, Aktien befinden sich im Bärenmarkt und selbst Rohstoffe durchlaufen eine Baisse. Die wichtigsten Investmentformen also im Tief? Nicht ganz: Die exotische Anlageklasse Kunst bekommt von all dem Ungemach nichts zu spüren - aller Unkenrufe zum Trotz.

Ein knappes halbes Jahr nach seiner Auflegung hat die MERIT Gruppe, eine der führenden Anbieter im Alternative Investments Bereich, für den Art Photography Fund (ISIN KYG050821050) eine erste gute Bilanz gezogen. Der weltweit erste Fonds für Kunstfotografie hat seit Mitte März dieses Jahres bis Ende August 8,10 Prozent zugelegt. Johannes Faber, Besitzer der gleichnamigen Galerie und einer der drei Direktoren des Fonds, sieht das Geschäft mit der Fotografie auch weiterhin gut im Rennen: "Wir erwarten uns eine jährliche Zuwachsrate von zehn bis 15 Prozent."

Im Vergleich mit der klassischen bildenden Kunst steht die Fotografie am Kunstmarkt noch in den Kinderschuhen. 1980 erklärte die New York Times die Fotografie als Geldanlage zum 'wichtigsten Ereignis der 70er Jahre'. Zu Recht: Der Fotografieindex, der seine Zusammensetzung bis heute nicht verändert hat, vermittelt ein wenig Geschmack, was an Wertsteigerung möglich ist: Per anno erzielt dieser in den letzten 30 Jahren im Schnitt ein Plus von 13 bis 14 Prozent.

Faber, seit 26 Jahren als Galerist und Kunsthändler international bekannt, erkennt gemeinsam mit Alexander Spuller und Friedrich Kiradi frühzeitig das Potenzial. Gemeinsam legen sie einen Fonds mit den Werken der Fotografie-Ikonen des frühen 20. Jahrhunderts auf. Spuller zeigt sich von dem Konzept überzeugt: "Von den Fotografen aus dieser Zeit wurden meistens nicht sehr viele Abzüge gemacht, da es bis vor ca. 30 Jahren keinen ernsthaften Markt für Kunstfotografie gab. Angefertigt wurden die Abzüge für kleinere Ausstellungen, Freunde, Illustrationen. Aus diesem Grund gibt es ein relativ knappes Angebot von bedeutenden Werken." Gleichzeitig wächst das Interesse der Privatanleger und Museen.

Investoren sind nach Auskunft Fabers vor allem Versicherungen Pensionsfonds oder Banken. Das Portfolio enthält mittlerweile Werke von über 25  berühmten Fotografen wie Man Ray, Henri Cartier-Bresson oder Ansel Adams. Der Fonds kauft fast ausschließlich so genannte "Vintage Prints", Abzüge also, die unmittelbar nach der Aufnahme erstellt wurden und von denen in der Regel meistens nur eine kleine Auflage existiert. Faber: "Von Rudolf Koppitz' 'Movement Study' gibt es etwa 30 Originalabzüge, deren Wert beständig gestiegen ist. Im Jahr 1982 konnte man die Bewegungsstudie noch für 4.000 Dollar ersteigern, heute ist sie über 200.000 Dollar wert." Eine Anlage, die auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten als ‚sicherer Hafen' gilt. Faber: "In den USA ist es 'state of art', neben einer repräsentativen Wohnung und einem einträglichen Job Spitäler und Kunst zu unterstützen."

Eingekauft wird auf Kunstmessen, in Galerien bzw. über Privatsammlungen. Mit 'Räubergeschichten' will er nicht aufwarten, so Galerist Faber, dennoch war er schon einige Male 'Johannes im Glück': "Das eine oder andere Stück kann er auf diversen Flohmärkten bzw. eBay erwerben." Vor Nachahmung warnt er. "Man braucht schon jede Menge Erfahrung, um nicht gehörig einzufahren."

Im Unterschied zu Wertpapierfonds ist die Wertermittlung bei Kunstfonds allerdings nicht ganz einfach, handelt es sich hier doch um einen illiquiden Markt - tägliche Marktpreise gibt es nicht. Der Ausweg: "Zwei unabhängige Gutachter ermitteln alle drei Monate den Wert des Portfolios", so Spuller, Director des Art Photography Funds. Ein Einstieg ist folglich nur quartalsweise möglich, der nächste Einstiegszeitpunkt der 30. September. Das Anfangskapital beträgt 70.000 Euro, im Weiteren ist auch eine Stückelung (ab ca. 3.000 Euro) möglich. Empfohlen wird, die Anlage mindestens fünf bis sieben Jahre zu halten.

Mittlerweile ist der Fonds problemlos bei Banken wie Raiffeisen, Erste Bank, Capitalbank und Volksbank zu zeichnen. Aufbewahrt werden die Kunstwerke des Fonds fachgerecht in Banksafes - Millionenwerte in einer relativ kleinen Schachtel.

"Die Preisindizes für Kunstfotografien weisen klar nach oben", so Faber. Und Spuller fügt hinzu: "Nennen Sie mir eine Aktie, die es auch noch in 100 Jahren gibt." Ob Kunstfotografie Ramsch oder Meisterwerk ist, entscheidet allerdings auch in Zukunft der Markt. Für die einen handelt es sich bloß um ein Stück vergilbtes Papier, für die anderen ist es Liebhaberei. Mag sein, dass die Blase platzt, derzeit ist aber eine Abschwächung nicht zu erkennen.

Ein Schmankerl nebenbei: Anleger des Fonds können sich ausgewählte Fotos auch zu Hause aufhängen. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 15.9.2008)

  • Rudolf Koppitz, Movement Study, 1925.
    foto: art photography fund

    Rudolf Koppitz, Movement Study, 1925.

  • Artikelbild
    grafik: art photography fund
  • Edward Weston, Nude on Sand, 1936.
    foto: art photography fund

    Edward Weston, Nude on Sand, 1936.

  • Henri Cartier-Bresson, Rue Mouffetard, 1954.
    foto: art photography fund

    Henri Cartier-Bresson, Rue Mouffetard, 1954.

  • Philippe Halsman, Albert Einstein, 1952.
    foto: art photography fund

    Philippe Halsman, Albert Einstein, 1952.

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