Hundertvierunddreißigste Etappe, Entracque - Rifugio Ellena Soria

14. September 2008, 17:00
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"Reisen heißt in gewisser Weise immer auch Verrat zu üben." So steht es bei Jonathan Raban, einem der spannendsten Reiseschrifsteller dieser Jahre

Es ist ein leicht verständlicher, beinahe klischeehafter Satz denkt man an die Treulosigkeiten von Seemännern und Konsorten, hundertmal erzählt, und weit öfter geschehen. Raban selbst wurde während der Reise zu seinen letzten - und laut ihm unwiderruflich letzten - Reiseroman von seiner Frau verlassen. Sein Buch erzählt aber keinen Verrat - weder seinen, noch ihren - sondern bleibt genau bei den Geschehnissen, denen der Reise und denen des für diese Reise verlassenen Alltagslebens, Familie, Frau, Kind. Ohne dass die Frage nach dem Verrat dabei verschwindet, ganz im Gegenteil.

"Passage to Juneau" ist das erste Buch, das ich auf meiner Reise durch die Alpen lese. Gerade weil Rabans Reiseroman von Persönlichem nur so durchlöchert ist. Denn angesichts nicht weniger tief treffender Ereignisse als der in Rabans Buch, ist auch meine Fußreise durch die Alpen von privaten Verwicklungen, von Erwarteten und Unerwarteten, von Glück und Unglück durchzogen. Geschehnisse, die weit mehr für die Spärlichkeit der Weblog-Einträge verantwortlich sind, als die unendliche Geschichte mit der Swisscom, von der hier nur mehr gesagt werden soll, dass sie aufgrund der in einem einzigen Monat angefallenen (Daten)-Roaming-Kosten mit einer Telefonrechnung beim heimischen Anbieter-von 1147 Euro endete.

Von den anderen, die Reise weit mehr bestimmenden Geschehnissen werde ich hier aber nicht erzählen. Wenn, dann gelingt das erst im Buch: zu erzählen, ohne zu verletzen, ohne Voyeurismen zu bedienen oder sich selbst zu wichtig zu nehmen. Glücken kann das nur in einer Form, in der das Erzählte zu einem Gewebe wird, seine eigene Form und damit Wirklichkeit findet - fern vom bloß Privaten, und doch in Blickweite. Dort, wo erzählen alles andere ist, als Verrat zu üben. (Martin Prinz)

  • Die Fußreise von Martin Prinz ist von privaten Verwicklungen, von Erwarteten und Unerwarteten, von Glück und Unglück durchzogen.
    foto: martin prinz

    Die Fußreise von Martin Prinz ist von privaten Verwicklungen, von Erwarteten und Unerwarteten, von Glück und Unglück durchzogen.

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