Keine Schalter-Gebühr bei Deutscher Bahn

12. September 2008, 13:07
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Verbraucherproteste zwangen die Deutsche Bahn in die Knie: Der umstrittene Schalter-Bedienzuschlag von 2,50 Euro wird nicht eingeführt

Berlin - Die Deutsche Bahn (DB) hat dem öffentlichen Druck nachgegeben und verzichtet auf die Einführung eines Bedienzuschlags am Fahrkartenschalter. "Die DB hat am heutigen Freitag entschieden, keinen Zuschlag für den personenbedienten Verkauf einzuführen", teilte der Konzern am Freitag nach einer Krisensitzung in Berlin mit.

Mitglieder der deutschen Regierung, Verbraucherschützer und Fahrgastverbände hatten zuvor die Bahn-Pläne heftig kritisiert, pro Fahrkarte eine Zusatzgebühr von 2,50 Euro zu erheben. Beim Kauf einer Hin- und Rückfahrkarte wären gar fünf Euro fällig geworden.

In einem Brief des Bahnvorstandes an die Mitarbeiter hieß es, die "emotionale Diskussion dieses Themas in der Öffentlichkeit" zeige, "dass der geplante Bedienzuschlag auf grundsätzliche Ablehnung stößt".

Derzeit würden nur rund 40 Prozent der Kunden die Leistungen der Reisezentren in Anspruch nehmen, hieß es weiter. Die überwiegende Mehrheit nutze andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Internet oder die Fahrscheinautomaten. "Wir gehen davon aus, dass die Kunden sich zukünftig noch stärker auf die selbstbedienten elektronischen Vertriebskanäle konzentrieren werden."

Regierung zufrieden

Die Berliner Regierung begrüßte die Entscheidung des Bahnvorstandes, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärte. Meldungen, wonach Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Angelegenheit mit Bahnchef Hartmut Mehdorn telefonierte, bestätigte er nicht. Die Bundesregierung habe in der Vergangenheit aber "auf die Probleme hingewiesen", die sie mit dem Bedienzuschlag habe.

Der deutsche Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee führte die Rücknahme der Bahn-Pläne auf seine "intensiven Gespräche in den letzten zwei Wochen" zurück, die er mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn geführt habe. "Der Vorstand der Deutsche Bahn AG ist zur Vernunft gekommen und hat heute eine gute und klare Entscheidung für alle Bahnkunden getroffen", sagte der SPD-Politiker.

Verbraucherminister Horst Seehofer hatte die Bahn zuvor zur Rücknahme ihrer Pläne für die Einführung eines Bedienzuschlages aufgefordert. Dies sei "aus einer Reihe von Gründen komplett abzulehnen", erklärte der CSU-Politiker.

Unnötige Barriere

Die Allianz Pro Schiene nahm die Nachricht positiv auf. "Wir begrüßen die Entscheidung. Eine unnötige Barriere für Bahnkunden wird gar nicht erst aufgebaut", sagte Geschäftsführer Dirk Flege. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA zeigten sich ebenfalls erleichtert. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnte vor Schalterschließungen als Folge der Entscheidung. "Wenn die Bahn die Einnahmen am Schalter nun nicht wie geplant erhöhen kann, wird sie versuchen, die Kosten zu senken", sagte VCD-Referentin Heid Tischmann.

Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich warf der Bahn vor, die Preise seit 2004 um 22,9 Prozent erhöht zu haben. "Mit gestiegenen Lohnkosten haben die Preiserhöhungen nichts zu tun", sagte er. Tatsache sei, dass der Personalaufwand im Fernverkehr 2007 mit 586 Mio. Euro sogar niedriger lag als 2004 mit 599 Mio. Euro. (APA/AP)

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