14 Tote bei US-Luftangriff in Nord-Waziristan

12. September 2008, 09:13
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Raketen wurden von einer US-Drohne abgefeuert - Bei Opfern soll es sich um Rebellen handeln

Islamabad - Bei einem US-Luftangriff im Nordwesten Pakistans sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen 14 Menschen getötet worden. Auf ein Ziel nahe der Stadt Miranshah in der Region Nord-Waziristan seien am Freitag Raketen von einem unbemannten Flugkörper aus abgefeuert worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Anwohner berichteten von zwei Raketen, die auf eine frühere Schule gefeuert worden seien. In dem Gebäude hätten Extremisten mit ihren Familien gelebt. Das an der Grenze zu Afghanistan gelegene Nord-Waziristan gilt als Rückzugsort für Al-Kaida- und Taliban-Kämpfer, die von dort aus ihre Einsätze in Afghanistan vorbereiten.

In jüngster Zeit haben die Spannungen zwischen den USA und Pakistan zugenommen. Die USA werfen ihrem Verbündeten vor, nicht konsequent genug gegen die Extremisten in der Region vorzugehen. Zuletzt erhöhten die USA mit Angriffen auf Ziele innerhalb Pakistans ihren Druck auf die Regierung in Islamabad und erregten damit Unmut in der Bevölkerung des Landes. So töteten vorige Woche US-Elitesoldaten bei einem Kommandounternehmen in Pakistan 20 Menschen.

Nach einem offiziell nicht bestätigten Bericht der "New York Times" genehmigte Präsident George W. Bush im Juli derartige Sondereinsätze in Pakistan. Der pakistanische Armeechef General Ashfaq Kayani wiederum drohte, die Streitkräfte würden die Unabhängigkeit und die territoriale Integrität des atomar bewaffneten Landes um jeden Preis verteidigen und die Anwesenheit ausländischer Soldaten nicht dulden.

"Sie lachen sich ins Fäustchen"

Lachender Dritter des Streits zwischen den USA und Pakistan könnten nach Einschätzung von Experten die islamischen Extremisten sein. "Sie lachen sich ins Fäustchen, weil sie das als große Chance betrachten", sagte der pakistanische Verteidigungsexperte Nasim Zehra. Zwar könnten die US-Spezialeinheiten Al-Kaida-Kämpfer und ihre Anführer töten oder gefangen nehmen. Andererseits könnte es aber auch zu einer Konfrontation zwischen amerikanischen und pakistanischen Soldaten kommen, was die Kluft zwischen beiden Ländern vergrößern dürfte. "Die USA sind ohne Frage seit den Anschlägen vom 11. September relativ sicher. Es ist unser Vaterland, das den Bach runtergeht", warnt Zehra, der der neuen Regierung ein fehlenden Sicherheitskonzept vorwirft.

Andere Experten zweifeln daran, dass sich die pakistanische Armee angesichts der wirtschaftlichen Abhängigkeit des Landes von den USA gegen deren Kommandounternehmen stellen wird. "Ich möchte die pakistanischen Militärs sehen, die sich abwenden und sagen, 'danke, aber wir wollen eure F-16-Flugzeuge und eure Waffen nicht'", formuliert es der Verteidigungsexperte Ayesha Siddiqa. Fehlende Sensibilität der USA könnte andererseits dazu führen, dass sie einen - wenn auch unzuverlässigen - Verbündeten verlieren und Geheimdienstquellen versiegen. (Reuters)

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