Abschwung in Japan kräftiger als erwartet

12. September 2008, 14:09
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Von April bis Juni betrug der Rückgang gegenüber dem Vorquartal preisbereinigt 0,7 Prozent

Tokio - In Japan verdüstert sich der Konjunkturhorizont zusehends. Im Frühjahr schrumpfte die zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zum Vorquartal um 0,7 Prozent und damit noch stärker als zunächst angenommen, wie die am Freitag veröffentlichten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigen. Derart schwach hat sich die Wirtschaft des Fernost-Landes seit sieben Jahren nicht mehr präsentiert.

Da in den USA und auch in Europa konjunkturell immer dunklere Wolken aufziehen, sind die Aussichten für die stark exportorientierte Wirtschaft Japans nicht rosig: Experten sind sich jedoch uneins, ob es zu einer Rezession - also zwei Quartalen mit schrumpfender Wirtschaft - kommen wird.

Optimisten setzen wegen des rapiden Ölpreisverfalls auf eine leichte Erholung im Sommer. Skeptiker schließen wegen der schwächeren Weltkonjunktur ein weiteres Schrumpfen der Wirtschaft im Sommer hingegen nicht mehr aus.

"Die Firmen sind zurückhaltend damit, ihre Kapazitäten auszuweiten. Die Aussichten für die Nachfrage in Japan und dem Ausland sind einfach zu unsicher", sagt Konjunkturexperte Maiko Noguchi von Daiwa Securities. Die Exportzahlen sind mit minus 2,5 Prozent im Frühjahr stärker zurückgegangen als in der ersten Schätzung mit 2,3 Prozent vorhergesagt. Einen Hoffnungsschimmer liefern unterdessen revidierte Zahlen zum Wachstum der Industrieproduktion im Juli, das um 0,4 Punkte auf 1,3 Prozent nach oben korrigiert wurde. Auch die Arbeitslosenquote ist im selben Monat leicht auf 4 Prozent gefallen.

Experten gehen davon aus, dass die Bank von Japan weiter eine Politik der ruhigen Hand fahren und den Leitzins bei ihrer Sitzung in der nächsten Woche nicht antasten wird. Der Schlüsselzins ist mit 0,5 Prozent bereits im internationalen Vergleich sehr niedrig. Die Bank sieht dieses Niveau als wirtschaftsstimulierend an, eine weitere Senkung gilt daher trotz der Wachstumsrisiken als unwahrscheinlich. Die Notenbank geht zudem davon aus, dass Japan letztlich zu einem moderaten Wachstumspfad zurückkehren wird. (APA/Reuters)

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