Die Königin hat noch keinen Hafen

11. September 2008, 21:16
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Bregenzer Millionenprojekt ist für Bodenseehäfen überdimensioniert - Der Ausbau des Heimathafens zieht sich aber - Nun wird gestritten

Die "Sonnenkönigin", Millionenprojekt von Touristikunternehmer Walter Klaus, ist endlich fertig. Der Ausbau des Heimathafens zieht sich aber. Denn im Bregenzer Rathaus wird über das Projekt heftig gestritten - Von Jutta Berger

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Bregenz - Eine Woche vor der Schiffstaufe ist Walter Klaus ziemlich aus dem Häuschen: "Ich kann noch gar nicht glauben, dass es in ein paar Tagen so weit ist." Zu viel sei noch zu tun, drunter und drüber gehe es. Das Interesse an der "MS Sonnenkönigin", mit gut 13 Millionen Euro das teuerste Schiff auf dem Bodensee, sei "enorm". Ernsthafte Interessenten und Neugierige auseinanderzuklauben sei die nächste Aufgabe seines Teams, sagt Klaus vergnügt. Denn nach dem ersten großen Event, der Taufe am nächsten Donnerstag, sollen zahlungskräftige Kunden kommen, die das Event-, Kongress- und Konzertschiff buchen.

Für die Bodenseehäfen überdimensioniert

Wer ein schönes Schiff hat, hat auch Neider. Und so sieht sich Klaus mit Gerüchten konfrontiert, sein Schiff sei mit 69 Meter Länge und elf Meter Höhe und entsprechendem Tiefgang für die Bodenseehäfen überdimensioniert. Klaus: "Das stimmt nicht. Nur bei der Taufe haben wir ein Problem, weil die beiden größten Schiffe der Vorarlberg Lines, die ,Vorarlberg' und die ,Austria', die ,Sonnenkönigin' begleiten werden. Für drei große Schiffe reicht der Platz in den Häfen nicht." Gefeiert wird mit einer Drei-Länder-Fahrt, Ziel ist der Heimathafen Bregenz.

Siegerprojekt

Wie beim Bau der "Sonnenkönigin", deren Start sich um ein Jahr verzögert hat, muss sich Klaus nun auch beim Ausbau des Bregenzer Hafens in Geduld üben. Zwar wurde ein Siegerprojekt gekürt, über den Vorschlag der Architektengruppe Nägele / Waibel / Ritsch / Spagolla streitet man inner- und außerhalb des Rathauses aber heftig: Eine Arbeitsgruppe mit Bürgerbeteiligung überarbeitet den Architektenvorschlag, die SPÖ droht mit einer Volksabstimmung über das geplante neue Hafengebäude.

Architektenvorschlag

"Die stimmen zu viel ab, die sollen endlich handeln", fordert Klaus von der Kommunalpolitik. Von der Bürgerbeteiligung hält er wenig: "Es gibt einen Architektenvorschlag. Die Fachleute haben sich dabei ja etwas gedacht." Klaus' Befürchtung: "Wenn das so weitergeht, sind wir in fünf Jahren noch nicht fertig. Vize-Bürgermeister Gernot Kiermayr (Grüne) fürchtet um den Ruf der Stadt bei Architekten, "wenn wir nicht konsequent und verbindlich Vereinbarungen einhalten". (Jutta Berger/DER STANDARD Printausgabe 12.9.2008)

 

 

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    Mit einer großen Party wird nächsten Donnerstag die "Sonnenkönigin", das neueste und teuerste Passagierschiff auf dem Bodensee, getauft

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    Walter Klaus will "endlich" Hafen-Lösung

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