Hochmoor soll Skigebiet weichen

11. September 2008, 20:59
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Bauherren wollen Aushubmaterial der neuen Skischaukel in ein Hochmoor kippen - Naturschutzanwältin beruft gegen Deponie

Mellau - Die Bauherren der neuen Skischaukel zwischen Mellau und Damüls wollen Aushubmaterial in ein Hochmoor kippen. Naturschutzanwältin Katharina Lins legte Berufung ein, nun sehen Gemeinden und Liftgesellschaft das Projekt gefährdet, der Abtransport des Gerölls käme zu teuer. "Wer zu bauen beginnt, ohne alle Genehmigungen zu haben, bekommt Probleme, das weiß jeder Häuslebauer", sagt Katharina Lins ungerührt. Nun muss der Unabhängige Verwaltungssenat entscheiden.

"Im schlimmsten Fall steigt der Mehrheitseigentümer der Bergbahnen Mellau aus, und das Projekt scheitert", befürchtet Bürgermeisterin Elisabeth Wicke (ÖVP). Das wirtschaftliche Überleben des Mellauer Tourismus hänge am erweiterten Skigebiet, beteuert Wicke, weil das bestehende Gebiet nicht mehr konkurrenzfähig sei.

Ohne Genehmigung baue man nicht, versichert die Bürgermeisterin. "Es gibt ja einen gültigen Bescheid für den Gesteinabbau. Gelagert wurde ja noch nichts." Natürlich sei klar, "dass das Geröll irgendwohin muss". Der beste Platz sei der Berg: "Der Dreck ist dort oben besser aufgehoben." Die 60.000 Kubikmeter herunter und durch das Dorf zu transportieren wäre eine zu große Belastung. 15.000 Lkw-Fahrten könnten den Mellauern nicht zumutet werden, sagt Wicke. "Die Frau Lins vertritt halt die Natur, ich die Menschen von Mellau."

Für die Grünen ist die Diskussion um die Hochgebirgsdeponie Anlass, die "Salamitaktik" der Betreiber zu kritisieren. Klubobmann Johannes Rauch: "Die Deponie wurde ebenso aus dem Gesamtverfahren herausgelöst wie die Errichtung mehrerer Speicherteiche, die notwendigen Stromleitungen, die noch zu errichtenden Parkplätze, und die Kapazitätsverdoppelung der Zubringerbahn." Mit diesen "Tricks" habe man die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) umgangen. Diese UVP ist ab einer Projektgröße von 20 Hektar vorgeschrieben. Das eingereichte Projekt habe durch die Aufteilung laut Rauch aber nur 18,43 Hektar. (Jutta Berger/ DER STANDARD Printausgabe 12.9.2008)

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