Gedenken an 9/11: Kein Sieg gegen den Terror

11. September 2008, 19:19
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Während der internationale Djihadismus im Irak zurückgedrängt wird, taucht er anderswo wieder auf

Es kann heuer nicht ausbleiben, dass anlässlich des siebten Jahrestags der Anschläge des 11. September 2001 jemand sagt, dass im Irak in den vergangenen Monaten der internationale Terrorismus besiegt worden ist. Selbst wenn dies stimmt (für den Moment), so hat diese Behauptung einen Schönheitsfehler: Der internationale Djihadismus ist erst mit dem amerikanischen "War on Terror" in den Irak gekommen. Und während er dort zurückgedrängt wird, taucht er anderswo wieder auf. Womit ganz allgemein ein Grundproblem des US-Antiterrorkriegs benannt ist: kein Sieg ohne ungewünschte Konsequenzen am Ort des Sieges. Und kein Sieg ohne Niederlage anderswo.

So wird 2008 trotz der Fortschritte im Irak zu einem bitteren 9/11-Gedenkjahr. Heuer wurde in Afghanistan, wo 2001 die gesamte internationale Gemeinschaft hinter der US-Intervention stand, die volle Rechnung für den Irakkrieg präsentiert. Wie im Irak (wo nicht der Aufstand gegen die US-Präsenz, sondern der Bürgerkrieg das Land in den Abgrund zu reißen drohte) werden die USA auch in Afghanistan den Krieg gegen die Extremisten nicht militärisch verlieren, natürlich nicht, aber sie können ihn auch nicht gewinnen. Dazu kommt der deprimierende Zustand des Landes im Allgemeinen, das, wie der Irak, nichts von dem geworden ist, was sich die Befreier vorgenommen hatten. Ebenso deprimierend der Blick über die Grenzen: die Destabilisierung in Pakistan, die Radikalisierung im Iran.

Wenn die USA ihre Operationen jetzt nach Pakistan ausweiten, dann sind im besten Fall punktuelle militärische Erfolge zu erwarten - aber die "Kollateralschäden" in jedem Sinn werden nicht ausbleiben. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2008)

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