"Wir haben höhere Preise untergebracht"

11. September 2008, 19:05
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RHI-Chef Andreas Meier spürt noch kein Nach­lassen der Nachfrage nach Feuer­festprodukten, sucht nach Rohstoff­vorkommen und prüft Werkszukäufe, erzählte er im Gespräch

STANDARD: RHI hat mit dem Halbjahresergebnis die Erwartungen weit übertroffen. Hält dieser Schwung im zweiten Halbjahr an, und was erwarten Sie 2009?

Meier: Der Auftragseingang ist ungebrochen gut - wir haben einen Auftragsstand von drei bis vier Monaten, auch der Sommer ist sehr gut gelaufen, da gibt es ja sonst oft Produktionsrücknahmen. Wir denken, dass heuer wieder ein sehr gutes Jahr wird. Der langfristige Trend im Stahl hat sich nicht verändert. Für uns spielt die Mengenkonjunktur, nicht der Stahlpreis eine Rolle. Und das Volumen ist weiter gut. Im Segment Industrial werden Schwächen in einzelnen Ländern durch die Emerging Markets weit überkompensiert. 2009 wird wahrscheinlich volatiler.

STANDARD: Gelingt es Ihnen, die steigenden Rohstoff- und Energiepreise an Ihre Kunden weiterzugeben?

Meier: Jeder neue Auftrag wird mit neuen Konditionen verhandelt, und wir haben unsere Lieferkontrakte auf sechs Monate umgestellt, d. h. wir sagen die Mengen zu, aber die Preise werden alle sechs Monate neu verhandelt. Daher haben wir auch mit 1. Juli weitere signifikante Preiserhöhungen untergebracht.

STANDARD: Sie wollen bis Ende 2010 den Umsatz auf mehr als zwei Milliarden Euro ausbauen und brauchen dazu auch Akquisitionen. Kommt demnächst etwas?

Meier: Wir haben einige Projekte in Prüfung. Ein Schwerpunkt dabei ist der Rohstoffbereich, auch andere Materalien als Magnestit und Dolomit, z. B. Bauxit und Schmelzrohstoffe wie in unserem neuen Werk in Südafrika. Wir sind momentan weltweit auf der Suche nach Feuerfestrohstoffen. Und der zweite Schwerpunkt sind Produktionen in den Emerging Markets - in den Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China; Anm.) und den Next Eleven (Bangladesch, Ägypten, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Südkorea, Türkei, Vietnam).

STANDARD: Haben Sie schon entschieden, ob Sie ein Werk in Brasilien bauen werden?

Meier: Wir werden jetzt in Brasilien eine Verkaufsgesellschaft für ganz Südamerika aufbauen und uns dort auch mit einer Produktion positionieren. Ob es ein Greenfield-Projekt wird oder eine andere Variante, das entscheidet sich heuer.

STANDARD: Sie wachsen auch organisch stark. Wie schaut es dabei mit der Rohstoffversorgung aus?

Meier: Wir wollen unseren Eigenversorgungsgrad von rund 45 Prozent konstant halten. Bei unserem Wachstum brauchen wir ca 75.000 Tonnen Rohstoffe pro Jahr zusätzlich. Das derzeit in Betrieb gehende Rohstoff-Joint-Venture in China wird 130.000 Tonnen jährlich liefern. Und wir haben ein Projekt in der Türkei in der Pipeline, dort haben wir intensiv prospektiert und zusätzliche Reserven gefunden. Wir bauen unser Werk dort 2009 von 150.000 auf 175.000 Tonnen Magnesit aus. Insgesamt werden wir unsere Eigenförderung von derzeit 600.000 auf etwa 800.000 Tonnen steigern.

STANDARD: Das Geschäft läuft gut, wann wird RHI wieder eine Dividende zahlen?

Meier: Ich halte es für notwendig, dass wir dazu eine Eigenkapitalquote von 20 Prozent haben. Der Wachstumskurs hat derzeit Priorität, und dafür brauchen wir 25 bis 30 Prozent des Umsatzes als Working Capital. Bis Ende 2009 müssten sich die 20 Prozent Eigenkapital aber ausgehen, eine Dividende für 2009 ist also denkbar.

STANDARD: Sie sind im siebten Jahr des Asbestverfahrens in den USA. Wird das heuer abgeschlossen?

Meier: Das Urteil wurde zwar bestätigt, aber es gibt nochmals einen Einspruch von zwei Versicherungen. Ich rechne, dass das eine Durchlaufzeit von zwölf Monaten hat.

STANDARD: Aber 2009 könnte es dann so weit sein?

Meier: Ja, und dann bekommen wir die Haftungsfreistellung und noch 40 Mio. Dollar von Honeywell.

STANDARD: Und was tut sich bei Ihren Bemühungen in Sachen CO2-Emissionszertifikate?

Meier: Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Feuerfestbranche unter eine Carbon-Leakage-Regelung fallen wird und Ausnahmen bekommt. Nicht morgen, aber in absehbarer Zeit. Erst 2011 wäre ein Unsinn. Man ist sich inzwischen auf EU-Ebene der Problematik bewusst. Wir bräuchten dann im Rohstoffbereich keine Zertifikate. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2008)

Zur Person

Andreas Meier (46) hat in Graz und Leoben Technische Chemie studiert. Er arbeitet seit 1985 in der Feuerfestbranche, seit 1999 ist er im Vorstand der RHI, seit 2007 Vorstandsvorsitzender. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

  • Nach dem Rekordjahr 2007 läuft auch 2008 sehr gut für den RHI-Konzern. Wachstum hat für RHI-Chef Andreas Meier weiter Priorität. Eine Dividende wird es daher frühestens für 2009 geben.
    foto: regine hendrich

    Nach dem Rekordjahr 2007 läuft auch 2008 sehr gut für den RHI-Konzern. Wachstum hat für RHI-Chef Andreas Meier weiter Priorität. Eine Dividende wird es daher frühestens für 2009 geben.

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