Multimediales Getöse: Architekturbiennale Venedig

11. September 2008, 18:07
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Am Sonntag wird ein Pseudo-Kunstspektakel eröffnet

Kaum sind die Filmfestspiele in Venedig über die Bühne gegangen, rollt das nächste Spektakel an: Am Sonntag eröffnet die Architekturbiennale, und aus den ersten Previews darf man schließen, dass es mit dem Filmeanschauen nahtlos weitergehen wird. Denn Screens und bewegte Bilder haben das gute alte Architekturmodell ganz offensichtlich abgelöst.

Out there. Architecture beyond building lautet das von Aaron Betsky ausgegebene Motto der Schau, und die von ihm selbst kuratierte Hauptausstellung im Arsenale wird diesem Wald-und-Wiesen-Thema ausgezeichnet gerecht.

Sie geriet einmal mehr zur teils grotesken Selbstdarstellung einzelner Architekturgrößen. Denn wenn sich die Architektur vom tatsächlich Gebauten löst, wenn Architekten auf dem schmalen Grat zwischen Architektur und Kunst zu balancieren beginnen, dann kann es zu schauderlichen Abstürzen kommen. Kein multimediales Geflimmere, kein synthetisches Soundgeblase vermag dann die thematische Leere zwischen den bunten Bildern zu füllen. Greg Lynns zu Möbeln gemorphtes Kinderspielzeug nimmt sich da ebenso lächerlich aus wie Philippe Rahms inszeniertes Grüppchen nackter Menschen, das noch dazu ständig singt und auf Lauten spielt.

Doch die Biennale hat auch ihre hervorragenden Ecken, und zwar in den Giardini, wo die teils vorzüglich bespielten Länderpavillons stehen. (Ute Woltron aus Venedig / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.9.2008)

Ausführlicher Bericht in der Wochenendausgabe des STANDARD

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