"Kein Vergnügen" für den Papst in Paris

11. September 2008, 17:18
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Benedikt XVI. freut sich auf ersten Frankreich-Besuch, doch dort ist man skeptisch - Anders als sein Vorgänger Johannes Paul II. geht ihm in Frankreich jede Popularität ab

Es werde für den Papst sicher "keine Vergnügungsreise", bekennt der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois. Schuld ist nicht nur das gedrängte Programm: Am Freitag macht Benedikt XVI. zunächst im Elysée Präsident Nicolas Sarkozy seine Aufwartung, anschließend empfängt er die jüdische und später die muslimische Gemeinde. Im neu restaurierten, ehemaligen Zisterzienserkolleg Collège des Bernardins wird der Heilige Vater eine Rede zum Verhältnis von Christentum und Rationalität halten; nach einem Abendgottesdienst in der Notre-Dame-Kathedrale empfängt er junge Franzosen.

Keine Popularität

Am Samstag besucht der Papst das wissenschaftliche Institut de France und zelebriert eine Messe vor wohl 200.000 Personen, um noch gleichentags nach Lourdes zu fliegen, wo er zwei Tage lang den 150. Jahrestag der wundersamen Marien-Erscheinungen begehen will. Benedikt XVI. wird es aber auch sonst sehr nicht gerade leicht haben. Anders als sein Vorgänger Johannes Paul II. geht ihm in Frankreich jede Popularität ab.


Französische Ressentiments

Nach seiner Wahl hatte die TV-Satiresendung "Les Guignols de l'info" fast einen diplomatischen Zwischenfall bewirkt, als sie eingedenk seiner Hitlerjugend ein Sketch "im Namen des Vaters, des Sohnes und des Dritten Reiches" einschoben und das Ganze mit "Adolf II." überschrieben. Ähnliche Reaktionen gab es auf Banlieue-Internetforen nach der Regensburger Rede des Papst über die Gewalt im Islam.

Camus- und Sartre-Kenner

Jetzt sucht die französische - sozialpolitisch eher aufgeschlossene - Bischofskonferenz die Franzosen mit allen Mitteln auf den Papst-Besuch einzustimmen und zu mobilisieren. An einer von mehreren Pressekonferenzen wies Erzbischof Vingt-Trois darauf hin, Johannes Paul II. habe vor seinem ersten Frankreich-Besuch "auch kein sehr positives Image" mitgebracht. Pressedossiers unterstreichen "die Bande, die den Papst Benedikt XVI. mit Frankreich verbinden": Der Camus- und Sartre-Kenner spreche einwandfrei Französisch und habe das Land schon sehr oft besucht.

Gläubigen-Schar immer dünner

Benedikts erste Frankreich-Visite als Papst - die zehnte seines Pontifikats - hat ein klares Ziel. Laut Vingt-Trois soll der Oberhirte die französischen Gläubigen, deren Schar immer dünner wird, gleichsam "wachrütteln". Nur noch 51 Prozent der Franzosen bekennen sich laut Umfragen zu ihrem katholischen Glauben. Noch vor dreißig Jahren hatten sich 80 Prozent der Bürger als gute Katholiken geoutet. (Stefan Brändle aus Paris/ DER STANDARD Printausgabe 12.9.2008)

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    Benedikt XVI. wird es in Frankreich nicht gerade leicht haben. Anders als sein Vorgänger Johannes Paul II. geht ihm in Frankreich jede Popularität ab.

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