Rechnungshof: Die Kunsthalle als Wiederholungstäter

11. September 2008, 17:12
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Neuerlich Kritik an Besucherzählmethode – die Wiener VP ist erbost

Wien - Der Rechnungshof stellt in seinem jüngsten Bericht über die Kunsthalle Wien fest, "dass die Besucherzahl zwischen 2004 und 2006 zwischen 16 und 43 Prozent geringer war", als von Direktor Gerald Matt gegenüber dem Vorstand und der Stadt angegeben. Franz Ferdinand Wolf, Kultursprecher der Wiener VP, ist nach Studium des Berichts erbost. Er spricht von "Wiederholungstäterschaft".

Denn schon 2004 hatte der RH die Kunsthalle Wien unter die Lupe genommen. Er entdeckte damals, dass die Statistiken "frisiert" worden waren. Die verlautbarten Besucherzahlen "entsprachen in einem erheblichen Ausmaß nicht den tatsächlichen". 2003 zum Beispiel besuchten nicht 184.658 Personen, sondern nur 110.869 das städtische Ausstellungshaus. Die Anzahl "war somit um 73.789 Besucher oder 40 Prozent geringer".

Matt hatte einfach die Eintrittskarten von Kooperationspartnern hinzugezählt, die auch zum Gratiseintritt in die Kunsthalle berechtigten. Er verteidigte sich dahingehend, dass es üblich sei, "alle verkauften Tickets in der Besuchererfassung zu berücksichtigen und nicht die Leistungskonsumation". Der RH entgegnete, dass bei dieser Vorgangsweise die Besucherzahlen von Institutionen, die ihre tatsächlichen Besucher, und solchen, welche auch "mögliche Besucher" ausweisen, nicht mehr miteinander verglichen werden können.

Der Wiener Stadtsenat teilte dem RH damals mit, dass die Kunsthalle aufgefordert wurde, dessen Empfehlung, nur die tatsächlichen Besucher zu zählen, Folge zu leisten. Doch Matt sah keinen Grund, von seiner Methode abzurücken: Für 2004 gab er 172.114 Besucher an; tatsächlich waren es 98.865. Dies wiederholte sich Jahr für Jahr. Zuletzt 2007: Matts 173.217 Besucher sind eigentlich nur 138.927.

Empfehlungen ignoriert

Insgesamt hatte der RH 2004 sechs Empfehlungen ausgesprochen. Nur eine einzige (höherer Deckungsgrad bei Katalogen) wurde zur Zufriedenheit der Prüfer umgesetzt. Denn der RH hatte zum Beispiel geraten, die Eintrittserlöse zu steigern. Was nicht gelang: Sie betrugen 1999 bis 2003 im Durchschnitt 305.060 Euro, 2004 bis 2007 nur 304.454 Euro. Zumindest konnte aufgrund einer Anhebung der Eintrittspreise im Jahr 2004 der Erlös pro Besucher von 2,54 auf 3,04 Euro gesteigert werden.

Der Stadtsenat versprach in seiner Stellungnahme, erneut auf die Kunsthalle einwirken zu wollen. VP-Kultursprecher Wolf bezeichnete die Ankündigung als "hilflose Reaktion": Es könne nicht sein, "dass der Rechnungshof nur Salzamt-Funktion" hat. SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny sei gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen: "Eine vernünftige Möglichkeit wäre etwa, Subventionen einzubehalten." (Thomas Trenkler / DER STANDARD; Printausgabe, 12.9.2008)

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