"paraflows08" startet mit Utopie-Ausstellung im Flakturm Arenbergpark

11. September 2008, 15:02
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Mehr als 30 Positionen zu Medien- und Netzkunst im MAK-Gegenwartskunstdepot im Arenbergpark - Festival beschäftigt sich bis zum 24. Oktober mit "Utopia"

"Bienvenue", "Welcome", "Benvenuti": Wenn am  Donnerstag, Abend die Ausstellung "Utopia" im Rahmen des Festivals "paraflows08" eröffnet, werden die Besucher im MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark von "El Receptionista" begrüßt. Ein Prototyp einer Begrüßungsmaschine, die laut dem Münchner Künstler Ralph Kistler bald auf allen Flughäfen, Hotels und Freizeitparks anzutreffen sein könnte. Sechs Hände mit entsprechenden verschiedensprachigen Tafeln reagieren auf Bewegung und begrüßen den Gast. Dieser trifft bis zum 26. Oktober in den unheimlichen Räumen des Gefechtsturms auf 30 futuristische Positionen der digitalen Kunst.

"Everytown"

Unter den zahlreichen internationalen Installationen finden sich auch Werke österreichischer Künstler: So spielt die 1979 in Bregenz geborene Claudia Larcher mit Utopien der Vergangenheit. In ihrer Videoanimation "Everytown" bezieht sie sich auf Science Fiction-Vorstellungen der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts und untersucht deren Realisierung im 21. Jahrhundert. Durch die Analyse von Filmmaterial, Zeichnungen und Skizzen werden bestimmte Merkmale wie Architektur, politische Systeme, öffentliche Verkehrsmittel und Energiegewinnung aufgegriffen und in die Gegenwart übertragen.

Energie

Mit Energiegewinnung setzt sich auch der in Krems geborene Künstler Rainer Prohaska in seinem sozialpolitischen Statement "KRFTWRK - Global Human Electricity" auseinander. Ziel seiner Arbeit ist die Bewusstseinsschaffung und der ironische Kommentar zu Problemen wie Energieverschwendung in Industriestaaten sowie Übergewicht und Bewegungsmangel der Bevölkerung. So zeigt er anhand von Plänen, wie man mit der Leistung, die tausende Menschen in einem Fitnessstudio erzeugen, Generatoren betreiben und in weiterer Folge Strom erzeugen könnte. Ganz nebenbei dienen diese Geräte auch als benutzbare Skulpturen.

Innovation und Alkoholgenuss verbindet "Roböxotica", das "Festival for Cocktail-Robotics". Eine Skulptur, die wie eine Zeitmaschine aus den 80er Jahren anmutet, ist einzig und allein dazu da, Cocktails zu mischen. Sie wird am Eröffnungsabend in Betrieb gehen. Weitere interessante Positionen kommen von Susanne Schuda mit ihrer interaktiven "Psycho-Sex-Groteske", die animierte Collagen in einer Fernsehshow auftreten lässt. Die Slowenin Robertina Sebjanic hat mit "Pufination" miteinander kommunizierende, leuchtende, vibrierende und tönende Kugeln geschaffen, die Mikroorganismen in einem offenen Ökosystem repräsentieren sollen.

Installation "no input"

Eine Reise in die Computer-Vergangenheit unternimmt Albert Mayr in seiner Installation "no input", in der er zahllose ausrangierte Computermonitore an das Stromnetz anschließt, ohne sie jedoch mit PCs zu verbinden. So entsteht ein Kaleidoskop unterschiedlicher Bildschirmschoner und Fehlermeldungen, das ganz nebenbei die Raumtemperatur spürbar anhebt. Von Satoshi Morita stammt schließlich ein Klanghelm, der die Geräusche alltäglicher Tätigkeiten nicht nur akustisch, sondern auch mit Hilfe von Vibrationen auf den Kopf überträgt.

"Utopia" ist eine spannende Zeitreise, die nicht zuletzt an diesem geschichtsträchtigen Ort oft besonders grotesk wirkt. Im Rahmen von "paraflows08" findet auch noch das Symposium "Ambiente. Das Leben & seine Räume" statt, das sich als theoretische Erweiterung des Festival-Themas versteht und Experten versammelt, die am 12. und 13. September die unterschiedlichen "Ausformungen und Möglichkeiten von Lebensräumen, von der Lebenswelt über das Milieu bis hin zum systemisch definierten Raum und der Kybernetik" beleuchten. (APA)

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