Bespitzelungsaffäre kommt Lidl teuer zu stehen

11. September 2008, 14:22
9 Postings

1,5 Millionen Euro Strafe. Dieser Betrag ergibt sich aus den Einzelstrafen, die die Datenschutzbehörden aus zwölf betroffenen Bundesländer festgelegt haben

Hamburg - Wegen der Bespitzelung seiner Mitarbeiter muss der deutsche Diskonter Lidl eine Strafe in Höhe von insgesamt knapp 1,5 Mio. Euro zahlen. Das sagte Günter Schedler vom baden-württembergischen Innenministerium der Online-Ausgabe des Magazins "Stern", stern.de. Die Gesamtsumme ergebe sich aus den Einzelstrafen, die die Datenschutzbehörden aus zwölf betroffenen Bundesländern festgelegt hätten. "Lidl hat dem Datenschutz in der Vergangenheit einen zu geringen Stellenwert beigemessen", sagte Schedler.

Das baden-württembergische Innenministerium ist als Aufsichtsbehörde für den Datenschutz im nichtöffentlichen Bereich federführend in dem Verfahren, da Lidl seinen Hauptsitz in Neckarsulm bei Heilbronn hat.

Lidl hatte am Wochenende mitgeteilt, es habe "den zuständigen Behörden bereits signalisiert, dass das Unternehmen die festgesetzten Bußgelder mit großer Wahrscheinlichkeit ohne Widerspruch akzeptieren wird". Insgesamt wurden gegen 35 Lidl-Vertriebsgesellschaften in Deutschland Überprüfungen eingeleitet. Mit dem Fall waren die Datenschutzaufsichtsbehörden der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein beschäftigt.

Videoüberwachung

In der aufsehenerregenden Bespitzelungs-Affäre hatte Lidl im März eingeräumt, im vergangenen Jahr in 219 Filialen Detektive eingesetzt zu haben. Gewerkschafter hatten daraufhin von einer "Bespitzelung unglaublichen Ausmaßes" gesprochen. Nach Darstellung von Lidl war es jedoch darum gegangen, Waren gegen Diebstahl zu sichern. "Offensichtlich übereifrige Detektive" hätten dann über ihren Auftrag hinaus Informationen beschafft. Später hatten auch Edeka und Plus eingeräumt, Mitarbeiter per Video überwacht zu haben.

Die Gewerkschaft Ver.di zeigte sich zufrieden mit dem Bußgeld. "Eine Millionensumme ist auch für ein solches Unternehmen keine Petitesse", sagte die stellvertretende Vorsitzende Margret Mönig-Raane stern.de. Das Bemühen um Verbesserung des Datenschutzes sei erkennbar. Lidl sei aber längst noch kein vorbildlicher Arbeitgeber: So erschwere der Diskonter weiterhin mit Einschüchterung der Mitarbeiter die flächendeckende Gründung von Betriebsräten.

"Das zeigt, dass in der Haltung der Unternehmensleitung gegenüber ihren Angestellten einiges nicht in Ordnung ist", sagte Mönig-Raane. "Die meisten Mitarbeiter sind weiterhin nicht gegen ihre Vorgesetzten geschützt. Es herrscht bei Lidl weiterhin eine verschlossene und misstrauische Atmosphäre." (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wegen der Bespitzelung seiner Mitarbeiter muss der deutsche Diskonter Lidl eine Strafe in Höhe von insgesamt knapp 1,5 Mio. Euro zahlen.

Share if you care.