Grazer entdeckt Protease mit neuartiger Faltung

13. September 2008, 12:16
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Das Enzym in der Bäckerhefe könnte Aufschlüsse über Schmerzprozesse beim Menschen liefern

Graz - Dem Verständnis von Schmerzprozessen im menschlichen Körper ist ein Forscherteam der Universität Graz und der Technischen Universität Graz ein Stück näher gekommen. Sie haben eine Proteinstruktur aus der Bäckerhefe entschlüsselt, die als Modell für ein eiweißspaltendes menschliches Enzym (Protease) gilt, das an der Regelung der Schmerzweiterleitung beteiligt ist.

Eigentlich sind die Grazer Wissenschafter an der Analyse einer Protease im Nervensystem des Menschen interessiert: Der als Dipeptidylpeptidase III (DPP III) bezeichneten Protease wird eine Rolle bei der Kontrolle von Schmerzprozessen zugeschrieben; bei Säugetieren gilt sie als möglicher Marker für bestimmte Krebsarten. Sie soll am Abbau von Neuropeptiden wie Enkephalinen und Endorphinen beteiligt sein. "Das menschliche Enzym konnte bisher nicht in der gewünschten Menge und Qualität erhalten werden", schildert Peter Macheroux, Leiter des Institutes für Biochemie der TU Graz.

Aufschlüsse

Nun fanden die Grazer Forscher eine verwandte Protease in der Bäckerhefe. Erstaunlicherweise zeigte sich, dass man dabei zudem einen bisher unbekannten Faltungstyp gefunden hatte. Vor allem aber gibt die Struktur des Proteins Aufschluss über die Funktionsweise - Erkenntnisse, die nun auf das menschliche Protein übertragen werden und letztlich den Weg zur Entwicklung neuer schmerzstillender Medikamente ebnen sollen.

Bestimmt wurde diese neue Struktur von Pravas Baral, Doktorand in der Arbeitsgruppe von Karl Gruber vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz. Er ist einer der ersten Doktoranden in dem vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten und von beiden Universitäten gemeinsam durchgeführten Doktoratskolleg "Molekulare Enzymologie". Die Untersuchung ist im "Journal of Biological Chemistry" erschienen. (APA/red)

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