"Mannschaft ist Star des Abends"

11. September 2008, 13:35
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Englands Jungstar Theo Walcott bleibt trotz Gala-Vorstellung gegen Kroatien bescheiden, die Presse feiert Capello und eine "neue Ära" - Erste Kritiken an Bilic und Kovac-Brüder

Zagreb - Jungstar Theo Walcott hat mit seinem Hattrick beim 4:1 in der Fußball-WM-Qualifikation gegen Kroatien David Beckham endgültig den Rang abgelaufen und Englands Kroatien-Trauma im Alleingang besiegt. Das Boulevardblatt "The Sun" feierte den Triumph der "Three Lions" in Zagreb bereits als den "Beginn eines neuen Zeitalters". Der neue National-Liebling sowie Erfolgstrainer Fabio Capello übten sich aber in Bescheidenheit.

Zehn Monate nach der bitteren 2:3-Niederlage gegen die Kroaten im Londoner Wembley-Stadion, die das Fußball-Mutterland die EM-Teilnahme gekostet hatte, führte der 19-jährige Arsenal-Jungstar seine Mannschaft zum zweiten Sieg und damit auf den Weg nach Südafrika. "Es war eine absolut fantastische Fußball-Nacht, aber die Mannschaft ist der Star des Abends", erzählte Walcott.

"Die David-Beckham-Ära ist vorbei"

Schon beim 2:0-Sieg über Andorra Aktivposten des Teams, erhielt Walcott von Capello auf der rechten Mittelfeldseite den Vorzug gegenüber Beckham, der erst kurz vor Schluss zu seinem 105. Länderspiel kam, als das Spiel längst entschieden war. "Die David-Beckham-Ära ist vorbei", konstatierte der "Daily Telegraph", "die Theo-Walcott-Ära hat begonnen".

Viele Blätter schlugen am Tag danach den Bogen zu Englands 5:1-Sieg in München gegen Deutschland im September 2001, als die Elf die Fans auf der Insel zuletzt rundum begeistert hatte. "Das ist einfach magisch, Fabio", jubelte die "Daily Mail" Englands neuem Teamchef zu. Dem Italiener, seit neun Monaten im Amt, gelang mit dem deutlichen Sieg in der seit 1994 in 35 Spielen uneinnehmbaren "Festung" des Maksimir-Stadions zugleich der erste überzeugende Auftritt mit dem englischen Team.

Rooney legt Ladehemmung ab

"Das Ergebnis ist besser, als ich es erwartet hatte, nicht aber unser Spiel", sagte Capello, der für seine mutige Aufstellung belohnt wurde. Neben Walcott, der in der 26., 59. und 82. Minute zur Stelle war, konnte auch Manchester-United-Star Wayne Rooney zum zwischenzeitlichen 3:0 (63.) seine Ladehemmung im Nationaltrikot ablegen. Seit fast einem Jahr musste er auf einen Treffer für England warten.

Mario Mandzukic erzielte den Ehrentreffer für die Kroaten (78.), deren Trainer Slaven Bilic einen Tag vor seinem 40. Geburtstag den Sieg der Gäste neidlos anerkannte: "Ich gratuliere England, sie waren heute exzellent." Erleichtert wurde der englische Erfolg durch die Rote Karte gegen den Robert Kovac (53.), der Joe Cole im Kopfballduell den Ellenbogen an den Kopf gerammt hatte. Cole wurde benommen vom Platz getragen und musste mit zehn Stichen genäht werden.

Kovacs " offensichtlich nicht mehr ganz fit"

Auch Kroatiens Medien konnten nicht über Englands Dominanz hinwegsehen. Speziell die Trainer standen im Mittelpunkt: "Hut ab, Herr Capello. Der großartige Fabio hat Bilic zu dessen Geburtstag gedemütigt." Bilic, der in seiner Heimat riesige Popularität genießt, wäre zwar sehr talentiert, sein Mangel an Erfahrung musste aber diesmal bestraft werden. Erstmals kam auch Kritik an Salzburg-Star Niko Kovac und dessen Bruder Robert auf. "Sie sind offensichtlich nicht mehr ganz fit. Bilic könnte sich über junges Blut Gedanken machen", meinte die Tageszeitung "Vecernji List".

Capello, früher Meister-Trainer des AC Milan und von Real Madrid, bestätigte nun erstmals seine Sechs-Millionen-Pfund-Gage wert zu sein, führte Englands disziplinierte und streckenweise inspirierte Vorstellung in erster Linie auf "den Mut und das Selbstbewusstsein" seiner Stars zurück, warnte aber davor, abzuheben: "Wir haben gerade erst angefangen - ein gutes Spiel, ein gutes Resultat, aber nicht mehr."

Rassismus im Stadion

Unschöne Szenen spielten sich während und nach dem Match ab. Zunächst wurde Englands dunkelhäutiger Stürmer Emile Heskey Opfer rassistischer Schmähungen, danach wurden 63 - zum Großteil kroatische Anhänger - von der Polizei festgenommen. Zwei rivalisierende Fangruppen Kroatiens waren im Stadtzentrum von Zagreb aneinandergeraten. (APA/dpa/Reuters/AFP)

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    So viel zu Feiern gab es bei den Engländern schon länger nicht mehr.

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