Leitl hört die Alarmglocken

11. September 2008, 13:29
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Der WKÖ-Chef ist besorgt über die Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt. Die Exportabschwächung kostet Arbeitsplätze, die öffentliche Hand soll Kaufkraft zurückgeben

Wien - Besorgt über die aktuelle Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt ist Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Wenn ein Traditionsunternehmen wie Swarovski ernsthaft darüber nachdenkt, nach Asien zu gehen, "müssten da nicht alle Alarmglocken läuten?", so Leitl am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Allein die Abschwächung beim Export werde Arbeitsplätze kosten. Betroffen seien vor allem Jugendliche, Ältere und Niedrigqualifizierte.

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) erwartet 2009 eine Trendwende am heimischen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen könnte 2009 um mehr als 20.000 Jobsuchende steigen. Es gebe bereits deutliche Warnsignale: Die gemeldeten offenen Stellen sind seit Juli drastisch gesunken, und zwar im Jahresvergleich um 8,2 Prozent. Gleichzeitig hat das Beschäftigungswachstum merklich nachgelassen und betrug im Juni und Juli nur noch plus 0,1 Prozent.

Ein Prozentpunkt Plus beim Export bringe 3.000 Arbeitsplätze. Da die Ausfuhren heuer nur mehr um 5 Prozent statt wie im Jahr davor um 10 Prozent zulegen werden, fehlen 15.000 Arbeitsplätze. "Wir brauchen Wirtschaftswachstum, um Vollbeschäftigung zu erreichen", so Leitl. Dafür sei es notwendig, die Kaufkraft zu steigern, den Standort zu sichern und den Export zu stützen.

Öffentliche Hand gefragt

Um die Kaufkraft zu steigern, sei vor allem die öffentliche Hand am Zug. Die Sozialpartner haben im vergangenen Herbst ordentlich verhandelt. Das Plus wurde allerdings von der öffentlichen Hand wieder abgeschöpft. Allein im Energiebereich belaufe sich diese Summe auf 700 Mio. Euro. Er erwarte, dass das noch vor den Wahlen und vor der Herbstlohnrunde (Start 26. September) umgesetzt werde. Von den Sozialpartnern erwarte er Lohnverhandlungen mit Augenmaß für die Kaufkraft, aber auch Rücksicht auf einen schärfer werdenden Wettbewerb. "ich erwarte, dass alle Prognosen über einen heißen Herbst nicht eintreten werden."

Von den Problemen am Arbeitsmarkt sind vor allem Jugendliche, Ältere und schlecht ausgebildete Personen betroffen. Hier sei die Politik aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu setzen. Die Wirtschaftskammer fordert daher eine Job-Konferenz mit den Sozialpartnern, der Regierung und dem Arbeitsmarktservice (AMS), um im kommenden Jahr, wenn die Arbeitslosigkeit wieder steigt, gegensteuern zu können. Die Konferenz solle innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl stattfinden. "Die jetzige Regierung würde das dann machen", so Leitl.

Als Maßnahmen für die Problemgruppen am Arbeitsmarkt schlägt die Wirtschaft drei Maßnahmen vor. Das neue Kombilohnmodell, das Geringverdienern einen staatlichen Lohnzuschuss gewährt, soll Langzeitarbeitslosigkeit, vor allem bei Älteren über 45 Jahre, zurückdrängen. Darüber hinaus soll die Eingliederungsbeihilfe verstärkt werden. Dabei handelt es sich um einen Lohnkostenzuschuss an Arbeitgeber bei der Einstellung von Langzeitarbeitslosen oder von Personen, die davon bedroht sind. Bei jugendlichen Arbeitslosen habe sich das Coaching-Modell "Der Jugend eine Chance", das gemeinsam vom AMS und der WKÖ begründet wurde, bewährt. Insgesamt konnte in der Zeit von 2005 bis 2007 die Jugendlangzeitarbeitslosigkeit von 1.510 auf 763 halbiert werden. (APA)

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