"Jeff Koons in Versailles" erregt Frankreich

11. September 2008, 12:42
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Ausstellung mit Objekten des kokettierenden US-Künstlers in den Königlichen Appartements trifft auf Polemik

Paris - Seit Jahren hat keine Werkschau oder Retrospektive für so viel Aufsehen in Frankreich gesorgt wie die Ausstellung "Jeff Koons in Versailles". Seit Wochen protestieren Kulturschaffende und Einwohner des 20 Kilometer westlich von Paris liegenden Vororts gegen die Schau, die am Donnerstag für das breite Publikum offiziell eröffnet worden ist. Die Ausstellung in Versailles gleicht einem bunten Marketing-Spektakel. Keines der von Koons ausgewählten Werke wurde eigens für die Ausstellung geschaffen, die meisten sind in den 80er und 90er Jahren entstanden.

Eigentlich will der New Yorker Objektkünstler mit seinem bonbonroten Riesenhund aus Stahl oder seinem Playboy-Hasen nur mit Bildern konfrontieren, die "Teil unserer Kindheit" waren. "Die Provokation nur der Provokation wegen ist ein Spielchen, das nicht sehr interessant ist. Ich glaube, meine Arbeit ist eher befreiend", sagt der Künstler: "Ich versuche, die Geschichte meiner Kultur mitzuteilen und den Leuten zu zeigen, welche ihre ist". So titelte denn auch Frankreichs Presse: "Der König des Kitsches im Reich des Sonnenkönigs".

Geschäft unter Freunden

Die in den Königlichen Appartements des Schlosses bis zum 14. Dezember präsentierten 17 Objekte des "Kitschkönigs" werden von vielen als Beschmutzung des französischen Kulturerbes empfunden. Das sei so, als würde man der Mona Lisa einen falschen Bart ankleben, meint der Präsident des französischen Schriftstellerverbandes Arnaud-Aaron Upinsky. "Die Werke wurden so ausgewählt, dass sie in Beziehung zu jedem der Räume stehen", erklärt Ausstellungsinitiator Jean-Jacques Aillagon, Präsident des Museums und der Staatsdomäne von Versailles. Er ist mit Koons befreundet und ernannte ihn 2001 in seiner damaligen Funktion als Kulturminister zum Ritter der Ehrenlegion. "Das ist wieder ein Geschäft unter Freunden", kritisieren einige Kulturschaffende.

In jedem der Prachtzimmer der Königlichen Appartements im ersten Stock des Versailler Schlosses steht ein Werk des Amerikaners. Bei den wenigsten Objekten scheint der Dialog mit dem räumlichen Umfeld gelungen zu sein. Warum der über zwei Meter hohe "Balloon Dog" inmitten des Herkules-Saals steht, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Der dunkelrote Riesenhund aus rostfreiem Stahl steht zwischen zwei klassischen Wandmalereien, wovon eine das 1570 von Paolo Veronese gemalte "Mahl bei Simon dem Pharisäer" darstellt.

Neobarock

Der lebensgroße neobarocke Michael Jackson aus Porzellan thront im Salon der Venus, der Liebesgöttin. Er sitzt am Boden und hält einen Affen im Arm - hinter ihm in einer Nische die von Jean Warin 1672 geschaffene Büste des Sonnenkönigs Ludwig XIV., des früheren Herrschers von Versailles. Die Installation der Staubsauger in luftdichten, mit Neonlicht erleuchteten Glaskästen, steht im Antichambre du Grand Couvert, in dem die Porträts der Königinnen Frankreichs hängen. Koons Anspielungen sind vielseitig: Das Rohr steht für das Phallussymbol, das Saugen für eine typisch weibliche Tätigkeit und die Neuheit der Geräte für Jungfräulichkeit und Unsterblichkeit. "Ich frage mich wirklich, was sich die Kuratoren und der Künstler bei dieser Gegenüberstellung gedacht haben", sagt eine Mitarbeiterin in Versailles.

Die bunten und glänzenden Stahlobjekte wie der riesige Hummer, der an einer Eisenkette von der Decke hängt, oder der riesige blaue Mond aus Stahl, in dem sich am Ende des berühmten Spiegelsaals die unzähligen Kronleuchter widerspiegeln, wirken spektakulär. Auch der über elf Meter hohe und aus mehr als 90.000 Blumen bestehende "Split Rocker" im Orangerie-Garten beeindruckt durch Größe und Originalität. Schon 2000 sorgte er auf dem Festival von Avignon für Aufsehen.

In Frankreich laden immer mehr große Museen zeitgenössische Kunst in ihre Räume ein, so zum Beispiel auch der Louvre. Erst vor wenigen Monaten zeigte er in den Sälen für flämische Kunst zwischen den Meisterwerken von Jan van Eyck, Peter Paul Rubens und Pieter Brueghel dem Älteren in einer gelungenen Gegenüberstellung mehr als 50 Installationen und Skulpturen des belgischen Kunst-Provokateurs Jan Fabre, darunter riesige Plastikwürmer und tote Käfer. (APA/dpa)

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